Fangen wir mit dem Namen an: Futurium. Ein sprachliches Ungetüm, weder wirkliches Latein noch wirklich international, kaum adaptierbar ins Englische, Französische, Russische, schon gar nicht ins Chinesische, Hindi, Bahasa Indonesia. Wie ehrlich war da doch der Ursprungsbegriff „Haus der Zukunft“. Aber das schien irgendwelchen Marketingmenschen nicht international genug – also Futurium.

Klingt fast wie Museum. Aber ein Museum wie etwa das Deutsche Technik-Museum soll dieses neue Haus an der Spree auf gar keinen Fall sein. Auch kein Technik-Zentrum wie das Phaeno in Wolfsburg. Eher ein Debattenzentrum mit angeschlossener Dauerausstellung.

Gegen die Monotonie

Wie die aussehen soll, weiß noch niemand, nicht einmal der neue Direktor Stefan Brandt. Man befinde sich noch in der Konzeptphase, drei Hauptthemen – Mensch, Natur, Technik – werde es geben. Und es wird um die Lösungen gehen, die die Zukunft bringen könne. Weder die Allgemeinheit noch die Mächtigen können sich ja immer auf die Vorhersagen ihrer Auguren verlassen. Da ist es doch besser, ist die Überlegung, eine Art Erklär- und Testgelände vorzuhalten. Motto: Lernen, wie es derzeit geht, und welche Ideen es gibt, aktuelle Probleme zu lösen, und ausprobieren, wie es gehen könnte, statt einfach abzuwarten.

Ab Frühjahr 2019 solle das Haus nach und nach übergeben werden. Als Vorgeschmack wird es an diesem Sonnabend schon einmal geöffnet, nur die Architektur soll wirken. 2012 gewann das Berliner Architekturbüro Richter Musikowski den Wettbewerb, mit einem Haus mit feinem Vorplatz, weit vorragendem Dach und durch viele auf die dunklen Gläser aufgedruckte Punkte fast flimmernde, für elektronische Botschaften ans Volk technisch vorgerüsteten Fassade.

Das Futurium soll die Monotonie aus Hotels und Bürogebäuden beleben, die im weiteren Umfeld des Hauptbahnhofs entstand, durch Gesetze, die die Mischung von Funktionen verhindern, fatale Grundstücksverkäufe des Bundes, der Deutschen Bahn und ihrer Suborganisationen sowie des Senats, die lange nur auf das Geld statt auf städtische Vielfalt achten.

Gewaltige Treppentürme

Das Café, das sich dereinst einmal zum Vorplatz hin öffnen soll, verspricht Attraktivität auch für die Angestellten in den Nachbarbauten. Sonst wirkt der Bau von Außen wie ein später Ableger niederländischer Saal-Architektur der 1990er-Jahre, vage cool mit den eingezogenen Wänden und dem in die Mitte einknickenden Fach, den gigantischen Glasfassaden, die künftig einen direkten Blick in die Ausstellungen öffnen sollen.

Das Foyer dagegen ist sehr deutsch, hell, effizient, mit klaren Wegen, genauen Vorgaben, wie man sich bewegen soll. Zuerst zur Garderobe, dann zum Shop, geradeaus zu den vorzüglich hellen und vielfach teilbaren Tagungssälen, oder hoch über die gewaltigen Treppentürme – auch diese mit runden Punkten dekoriert – ins Ausstellungsgeschoss.

Lärmansprüche

Große Fensterwände öffnen sich zur Stadtbahn, S-Bahn und ICE scheinen durch das Haus fahren zu wollen, und zum Regierungsviertel. Die Wände sind dunkelanthrazit gehalten, Kunst- und Naturlicht mischen sich unter der nach Innen abgesenkten Decke.

Und quer durch den Raum, das macht seinen Witz aus, sind zwei verglaste Galeriebrücken gespannt – leider hat man sich entschlossen, die eine mit einer lächerlich kleinen Wendeltreppe aus Stahl zusätzlich zu erschließen, was der räumlichen Klarheit schadet und laut hallt, ohne wirklich mehr Bequemlichkeit zu schaffen. Gehen Sie lieber in die knallbunt gestrichenen Treppenhäuser hoch zur Galerie, schon diese Farbkontraste sind ein Erlebnis.

Und dann mit dem durch die Glaswände schlierenden Fahrstuhl ab in die Tiefe, im Kellergeschoss – auch dies dunkel gestrichen, darin blitzen die Glasverkleidungen des Wärmespeichers. Eine Lounge soll hier einmal entstehen, und ein Labor. Wie sich deren eher gegensätzliche Lärmansprüche einmal ausgleichen werden, muss man sehen.

Vergebene Chancen

Und was an diesem Futurium weist denn nun in die Zukunft? Die Solarenergie-Nutzungen auf dem Dach hat heute jeder schwäbische Häuslebauer. Die Temperaturregelung? Standard, wenn auch selten so elegant gelöst. Die Baukonstruktion? Konventionell, genau wie die verwandten Materialien Beton, Stahl und Gas. Nicht einmal die längst schon etablierten Methoden, Glasscheiben auch als Kraftwerk zu nutzen, sind hier eingesetzt, ganz zu schweigen von nachhaltig wirkenden Baumaterialien wie Holz, Bambus, Ton, gar Gräsern oder Wolle.

Und warum ist dieses Museumsgebäude nicht in Pflanzen eingehüllt, warum produziert es keine Nahrung, wie so viele großstädtische Gebäude es inzwischen tun oder so eine nette Institution wie das Banjoun Museum in Kamerun? Vergebene Zukunftschancen. Es ist leider durchaus charakteristisch für dieses Futurium, dass die Stellplätze für Fahrräder versteckt hinter dem Haus untergebracht sind, dass es viel zu wenige sind. Die an die Pop-Art der 1970er-erinnernden Punkt-Dekorationen waren damals Zukunft, heute sind sie Mode. Warten wir also auf das Programm. Vielleicht bringt das mehr Zukunft ins Futurium.