Dass Versicherungen nur ungerne zahlen, zumal wenn es sich um größere Summen handelt, ist nichts Neues, und dass man sich mit ihnen oft streiten muss, ahnte man auch schon.

Dass manche Firmen geradezu skrupellos handeln, kannte man bislang vor allem aus den USA. Aber, so zeigte es der Film „Die Nein-Sager“ von Christof Lütgert, derlei Praktiken sind auch in Deutschland üblich. Lütgert wirft in seiner „Presenter-Reportage“ (der Reporter ist oft im Bild) drei exemplarische Fälle auf: Der erste drehte sich um den Fall Heinz Urbahn, der aus dem Fenster fiel – die Barmenia-Versicherung wollte jedoch nicht zahlen, weil sie einen Beweis haben wollte, dass der Mann nicht schon in der Wohnung gestorben war.

Eine geradezu absurde Verdächtigung. Ein Einzelfall? Nicht unbedingt, so zeigte es der Film: Eine ehemalige Versicherungs-Juristin erzählt, dass sie zu ihrer Zeit zwei Drittel aller Fälle abgelehnt hatte. Sogar fertige Textbausteine gab es, wie man das „Nein“ zu formulieren hatte. Ein Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Uni bestätigt sogar durch eine Studie, dass die Versicherungen oft mauern: In einzelnen Bereichen gebe es bis zu 60 Prozent Ablehnungen, und von diesen werden nur ca 2 bis 5 Prozent durch Gerichte revidiert. Kein schlechter Schnitt: Die Versicherungen gewinnen also fast immer.

Auch der letzte Fall der Reportage klingt geradezu unglaublich: Eine Mutter, deren Sohn behindert auf die Welt kam – und das durch einen ärztlichen Kunstfehler, bekam über Jahre keine Entschädigung von der Allianz Versicherung, weil diese sich durch die Instanzen klagte. Und das über zehn Jahre. „Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin ein Nichts“, sagt die Mutter verzweifelt in dem Film.

Trotz einiger reißerischer Elemente in der Dokumentation, etwa arg dramatischer Musik – die Botschaft des Films war schlüssig: Manche Versicherungskonzerne gleichen beinah kriminellen Vereinigungen, die rigoros ihren Kunden Leistungen verweigern, die ihnen eigentlich zustehen. Die Bundesjustizministerin war übrigens zu keinem Interview bereit. Keine Frage: Das Thema lohnt ganz sicher eine weitere Betrachtung.