Henny Reents (li.) als Franziska Schlüter und Karoline Bär als Kollegin im ARD-Film „Verunsichert. Alles Gute für die Zukunft“.
Foto: WDR/Zeitsprung Pictures/Guido Engels

Im Finale ist Beatrix Hüller für einige Sekunden als Richterin zu sehen. In ihrem Berufsleben aber hat sie für die beiden Seiten gearbeitet, die sich hier gegenüber stehen: Erst war sie für eine Unfallversicherung tätig, dann machte sie sich einen Namen als Anwältin für Versicherungsrecht und streitet bis heute für diejenigen, die sie zuvor oft hingehalten hatte. Es habe bei Versicherern ein regelrechter Sportsgeist geherrscht, die Zahlung hinauszuzögern oder zu verweigern, erklärt Beatrix Hüller im ARD-Interview. Zum Umdenken brachte sie der Fall eines Aids-Patienten, den sie selbst so lange aufschob, bis er verstorben war. Die Formel „Alles Gute für die Zukunft“ wirkt da nur zynisch, der Spruch wird hier zum Untertitel des Films.

Das ARD-Drama „Verunsichert“ basiert auf Hüllers Erlebnissen. Besonders ein Fall legt die Skrupel der Filmfigur Franziska Schlüter (Henny Reents) bloß: Sie wird von einer Mutter mit Kindern angeklagt, ihren Mann in den Selbstmord getrieben zu haben. Der Familienvater (Simon Böer) saß nach einem Unfall im Rollstuhl. Doch die Unfallversicherung wollte nicht zahlen. Fadenscheinige Unterstellung: Es könnte ja auch ein Tumor die Lähmung ausgelöst haben.

In der Realität ist solch eine Auseinandersetzung ja eine sehr papierne Sache: Endlos gehen Gutachten und Fragebögen hin und her. Jörg Lühdorff (Buch und Regie) aber hat den Stoff so geschickt dramatisiert, dass er zugleich emotionalisiert und aufklärt. So steht jeder Zuschauer sofort auf der Seite der Familie, die durch den Ausfall existenziell bedroht ist. Vor allem prägt Henny Reents als Seitenwechslerin das Drama.

Ihre Franziska gibt viel auf, entscheidet sich gegen die gut bezahlte Karriere, stellt sich gegen Kolleginnen, bricht vor allem mit dem eigenen Tun. Bisher konnte sie sich hinter dem Schreibtisch verschanzen. Nun aber muss sie nicht nur zahlungsschwachen Klienten beistehen, sondern vor Gericht argumentieren, was ihr sichtlich schwer fällt. Sie ist verunsichert – auch das ein Punkt, mit dem sich viele identifizieren werden. Die Konflikte der Franziska Schlüter sind glaubwürdig und sorgen für Spannung, auch wenn der Film nicht so locker daherkommen kann wie populäre Anwaltsserien à la „Liebling Kreuzberg“ oder „Danni Lowinski“. Martin Brambach als Franziskas Sozius sorgt aber für launigen Witz.

Letztlich ist „Verunsichert“ auch eine Werbung in eigener Sache für Beatrix Hüller und ihre Zunft: Denn der Film zeigt, dass in schwierigen Fällen die Versicherten ohne Spezial-Anwalt keine Chance haben beim jahrelangen Kampf gegen ihre Versicherung. Auch Manfred Krug warb nach „Liebling Kreuzberg“ ja einst für eine Rechtsschutzversicherung.

Verunsichert. Alles Gute für die Zukunft  Mi, 9.9., 20.15 Uhr, ARD