"Pasewalk“ und „Boltenhagen“ liegen vor Malta. Die einstigen Minensuchboote wurden als Attraktion für Hobbytaucher im Mittelmeer versenkt. Andere Schiffe der DDR-Volksmarine fahren noch auf Patrouille zwischen den Inseln Indonesiens umher. Es ist nicht viel übrig geblieben von den Arsenalen der Nationalen Volksarmee, die Ende der 80er-Jahre als die am besten ausgestattete Armee des Warschauer Vertrags galt und vor 25 Jahren mit dem Ende der DDR in der Bundeswehr aufging. Die vom RBB verantwortete ARD-Dokumentation fragt „Was wurde aus der NVA?“

Der Autor Reinhard Joksch interessiert sich ausschließlich für die Waffen. Dabei kann sein Film Vorgänge aufarbeiten, die Erkenntnisse zum Dauerthema „Waffenexporte in Krisengebiete“ liefern. So zeigen die Lieferungen einer ganzen Flottille an Indonesien und der Verkauf von Schützenpanzerwagen an die Türkei, dass die NVA-Waffen entgegen den Verträgen bei Kämpfen gegen Aufständische eingesetzt wurden.

Beutestücke moderner Technik

Im ersten Golfkrieg wurden frühere Waffen der NVA massenhaft verheizt – mit den milliardenschweren Waffenlieferungen ersparte sich die Regierung Kohl die Diskussion mit den Verbündeten um den Einsatz von Bundeswehrsoldaten. Auch zum Verständnis des Verhältnisses zwischen Nato und Russland zeigt die ARD-Doku einige interessante Hintergründe. Denn den Amerikanern und ihren Verbündeten fielen auch besondere Beutestücke moderner Technik in die Hände, die entweder weiter genutzt wurden, wie die Abfangjäger MiG 29, oder ausgiebig getestet wurden. Dass der ostdeutsche Hubschrauber Mi 24 dagegen verschrottet wurde, obwohl er besser war als das Nato-Fluggerät, belegt den Einfluss der Rüstungslobby. Die wollte ihre eigenen Hubschrauber verkaufen.

Doch lässt sich eine Armee auf ihr Arsenal reduzieren? Die aufgelöste NVA bestand auch aus über 20.000 linientreuen Berufsoffizieren, von denen sich viele für die Übernahme in die Bundeswehr bewarben, ebenso aus den Erinnerungen von Millionen junger Männer in der DDR, die in der NVA ihren Wehrdienst ableisten mussten. Der menschliche Faktor spielt keine Rolle im technikverliebten Film.

Anprangern oder integrieren?

Ganz anders sieht das in der ARD-Doku „Was wurde aus der Stasi?“ aus, die eine Woche später läuft. Hier werden einstige hauptamtliche MfS-Mitarbeiter nach ihrem Weg befragt. Doch leider gelingt den Autoren Jan N. Lorenzen und Michael Bluhm kein neuer Zugang zum medial reichlich ausgewalzten Stasi-Thema. Roland Jahn, Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und anno 1990 als Aufklärer für das ARD-Magazin „Kontraste“ unterwegs, und Peter-Michael Diestel, damals Innenminister der DDR, tragen heute immer noch dieselbe Fehde zum Umgang mit den Stasileuten aus: anprangern oder integrieren?

Dabei hätte auch die NVA-Doku mehr als nur technische Details aus ihren Gesprächspartnern herausholen können. So erfährt der Zuschauer erst beim Nachrecherchieren im Netz, wer eigentlich jener Werner Ablaß ist, der als Staatssekretär die NVA-Führung beim letzten Appell verabschiedete: Er stammte, wie sein Verteidigungsminister Rainer Eppelmann, aus der kirchlichen Opposition in der DDR. Ebenso hätte man schon gern im Film erfahren, warum Jusuf Habibie, der einstige Staatspräsident Indonesiens, so gut Deutsch spricht. Er hatte in Aachen studiert, danach bei Messerschmidt-Bölkow-Blohm es bis zum Vizegeneraldirektor gebracht, bevor er in Indonesien seine politische Karriere startete und seine Kontakte zur deutschen Wirtschaft weiter pflegte.

Was wurde aus der NVA?

Mo, 2. 11, 23.30 Uhr, ARD

Was wurde aus der Stasi?

Mo, 9. 11., 23.30 Uhr, ARD