Berlin - Es war in der Halbzeitpause des Länderspiels, Deutschland führte in Ecuador bereits mit vier zu eins, als der „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni noch einmal tief Luft holte, bevor er den ARD-Zuschauern die wichtige Personalie verkündet: „Und nun zum Schluss noch eine Meldung in eigener Sache: Am Nachmittag ist unser Kollege Tom Buhrow in Köln zum neuen Intendanten des Westdeutschen Rundfunks gewählt worden.“

Für den 39-jährigen Zamperoni könnte diese Meldung auch eine in ureigenster Sache werden. Seit einem Jahr vertritt er bei den „Tagesthemen“ die Moderatoren Buhrow und Caren Miosga. Nun wird mit Buhrows Weggang einer der begehrtesten Plätze im Fernsehen frei, und Zamperoni wird sich Hoffnungen machen.

Große Ehre, falsche Fährte

An wen Buhrow übergeben wird, ist nach ARD-Angaben noch offen. „Dazu gab es weder eine Besprechung noch eine Sitzung“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Hamburg über die Top-Personalie bei ARD aktuell, die von den ARD-Intendanten beschlossen wird. Spekuliert über die Nachfolger wurde bereits vor der WDR-Intendanten-Kür. Prominentester Name dabei: Reinhold Beckmann, der seine Talkshow 2014 beendet. „Große Ehre, aber falsche Fährte“, lautet sein Kommentar. Ebenfalls genannt wurden der New Yorker ARD-Korrespondent Thomas Roth und die Studioleiterin in Washington, Tina Hassel. Der 61-Jährige Roth – ebenfalls ein WDR-Mann – könnte vom Kölner Sender ins Rennen geschickt werden. Auch Buhrow arbeitete zuvor für die ARD in Washington.

Sollte tatsächlich Tina Hassel zum Zuge kommen, wäre es das erste Mal in der Geschichte der „Tagesthemen“, dass zwei Frauen das ARD-Nachrichtenmagazin moderieren – und mit Zamperoni immerhin noch ein Mann als Vertreter zur Verfügung stehen würde. Auch diese Konstellation ist in der ARD nicht undenkbar. „Es kommt auf die Qualität an“, sagte eine ARD-Sprecherin, „theoretisch können das auch zwei Frauen sein“. Ob Buhrow als neuer WDR-Intendant schon mit über seinen Nachfolger entscheiden wird, blieb noch offen.

Dabei war es ein überaus deutliches Abstimmungsergebnis, das Tom Buhrow in das neue Amt und zum Nachfolger von Monika Piel befördert hat, 41 von 47 Stimmen vereinigte er gleich im ersten Wahlgang des Rundfunkrates auf sich. „Ich habe diese Aufgabe nicht auf meiner Lebensplanungsliste gehabt. Diese Aufgabe hat mich gesucht“, sagte ein sichtlich bewegter Buhrow, nachdem er die Wahl angenommen hatte. Dennoch freue er sich, er liebe den WDR. „Ich bring' die Liebe mit. Ja, is' so!“ Buhrow hatte bei dem Sender volontiert.

Der neue Intendant bezeichnete das deutliche Ergebnis als Vertrauensbeweis, der zugleich eine Verpflichtung sei. Wie die beiden anderen Bewerber habe er nie ein großes Unternehmen geleitet. „Das sagt aber auch etwas darüber aus, wen der Rundfunkrat bei dieser Wahl gesucht hat“, sagte Buhrow. Als Intendant wolle er auf Augenhöhe kommunizieren und „nach innen und außen zum Anfassen sein“. Nach seiner Wahl ermunterte Tom Buhrow seinen neuen Sender zu Experimentierfreude. „Macht ruhig Fehler!“, betonte er. „Das ist ein bisschen mein Credo. Bitte keine Angstkultur, sondern Mut zu Experimenten.“

Ordentlich verabschieden

Seinen genauen Vertragsbeginn muss der 54-Jährige ebenso noch klären wie seine letzte „Tagesthemen“-Moderation. Da der Wechsel aus den Hamburger ARD-aktuell-Studios aber recht schnell über die Bühne gehen soll, wird Buhrow seinen siebten „Tagesthemen“-Geburtstag am 1. September wohl nicht mehr feiern können. Und so wird Buhrow nur noch wenige Male die „Tagesthemen“ moderieren. „Ich werde bestimmt noch eine Woche machen müssen“, sagte er. „Ich werde mich doch noch verabschieden dürfen von den Zuschauern.“ Vom 10. bis 16. Juni steht er jedenfalls an gewohnter Stelle in der ARD- Programmvorschau.