Vor fast einem Jahr versprach ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, im Ersten für „mehr Wiedererkennbarkeit“ zu sorgen. Das soll offensichtlich dadurch gelingen, noch mehr Shows zu zeigen, die so ähnlich funktionieren und heißen, wie die, die es schon gibt. An diesem Donnerstag steigt das ZDF in das Spiel ein und sorgt mit einer Gegenprogrammierung für Unmut bei den ARD-Kollegen. Höchste Zeit für einen Überblick der öffentlich-rechtlichen Showunterhaltung im Jahr 2013.

Shows mit Promis. Wenn Markus-Maria Profitlich und Guido Cantz mit den Rücken aneinandergefesselt Möbelpacker spielen, Opernsänger Rolando Villazón am Barren ächzt, während Veronica Ferres hektisch Fragen beantwortet, und Heiner Lauterbach mit Esther Schweins Traubenballons in einer Weinpresse zerstampft, dann handelt es sich dabei nicht um einen Einblick in die Therapiesitzungen deutscher TV-Prominenz. Sondern um eine der lustigeren Unterhaltungsshows, die das deutsche Fernsehen derzeit im Programm hat. Die Entscheidung, Kai Pflaumes „Dalli Dalli“-Neuauflage unter dem neuen Namen „Das ist spitze!“ ins Erste zu holen, war eine sehr gute – schon wegen der irren Spiele, die nach dem endlosen Quiz-Einerlei der vergangenen Jahre eine überfällige Abwechslung sind und am Donnerstagabend im Ersten ganz schön Tempo machen.

Dabei verzichtet der Sender natürlich keineswegs ganz auf die Raterunden: In seinem „Quiz des Menschen“ stellt Eckhart von Hirschhausen prominenten Gästen Fragen zu Leberfunktionen, Schminkzonen und Leichenstarre, während „Yogeshwar und Schöneberger“ erst als „verrückte Wissensshow“ glänzte, als „Große Ernährungsshow“ reinkarnierte, eigentlich aber bloß ein Ableger der „Großen Show der Naturwunder“ ist, die Yogeshwar mit Frank Elstner moderiert, am liebsten mit Schöneberger als Gast.

Shows mit normalen Leuten. Öde Kandidaten, die von erspielten Preisgeldern Einbauküchen kaufen oder das Haus abbezahlen wollen, schicken ARD und ZDF ohne Umweg zu „Wer wird Millionär?“ Normale Leute sind in Unterhaltungsshows nämlich meistens ein Flop – in den ARD-Vorabendshows „Null gewinnt“ und „Drei bei Kai“ genauso wie bei „Opdenhövels Countdown“, das im vergangenen Jahr leider kaum jemand sehen wollte. Das lässt sich aber leicht ändern, in dem man die Normalos kreuzt – mit Promis.

Shows mit Promis und normalen Leuten. Die sind, trotz der aktuellen Schwächephase beim Prototypen „Wetten dass..?“, derzeit der absolute Renner im deutschen Fernsehen. Das ZDF versucht's an diesem Donnerstagabend ganz klassisch mit einem Geschichts-Quiz, das sich als „Die große Zeitreise-Show“ tarnt. Für die hat das Zweite Johannes B. Kerner aus dem Vorruhestand exhumiert, der Schlaumeierfamilien nun Promigegner in Gestalt von Hannes Jaenicke, Barbara Wussow und Christian Neureuther auf den Hals hetzt. Zur gleichen Zeit testet Matthias Opdenhövel im Ersten in der „Show der unglaublichen Helden – Das Generationen-Duell“ Muskelkraft und Ausdauer älterer Herrschaften, die gegen die prominenten Herausforderer Fernanda Brandao und Hardy Krüger jr. im Turnen, Judo und Speerwurf bestehen sollen.

Das ist nicht zu verwechseln mit „Die Deutschen Meister“, die Kai Pflaume am Sonnabend im Ersten zu Gast hat, und bei denen es sich um die „schnellsten, klügsten, geschicktesten und stärksten Deutschen, die größten deutschen Gedächtnisgiganten – kurzum: Die Deutschen mit den unglaublichsten Talenten“ handelt, die unter Promi-Aufsicht von Katharina Witt und Axel Prahl miteinander um 100 000 Euro Preisgeld kämpfen und nicht zwangsläufig verrentet sein müssen.

Shows mit Promis und Kindern. Seine neuen Showideen hat sich das Erste quasi aus dem Pflaume-Erfolg „Klein gegen Groß – das unglaubliche Duell“ zusammenhomunkelt, der Sendung, in der zukünftige Gebührenzahler sanft an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk herangeführt werden und gegen prominente Herausforderer wie Moritz Bleibtreu, Magdalena Neuner und Felix Neureuther ein besonderes Geschick unter Beweis stellen dürfen, etwa Slackline-Butt-Bouncen. (Was das ist, müssten Sie bitte selbst nachschlagen.) Anders funktioniert übrigens „Deutschlands Superhirn“ im ZDF, wo Gleichaltrige kürzlich unter Anleitung des baldigen ARD-Heimkehrers Jörg Pilawa demonstrieren durften, wie furchtbar clever sie sind.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis sich aus dieser Masse eine öffentlich-rechtliche Supershow herausformt, die sämtliche Spielregeln und Titelbestandteile der übrigen Sendungen ansaugt und zu einem endlosen Unterhaltungsabend formt, „Die unglaublich große Duell-der-Superhirn-Helden-Show“. Damit wäre der Wiedererkennbarkeit ein für allemal Genüge getan.