Zwei Wochen vor Erscheinen des neuen Buchs von Thilo Sarrazin über den Islam hat sein früherer Verleger sich kritisch über das Werk geäußert. Thomas Rathnow, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Random House und Verleger der DVA, begründete in der „Zeit“ seine Entscheidung, sich von Sarrazin zu trennen und das Buch nicht herauszubringen. „Feindliche Übernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ soll nun am 30. August im Finanzbuch-Verlag erscheinen.

Rathnow sagte, in dem Buchmanuskript, das er abgelehnt habe, werde ein Bild des Islams entworfen, das „einer Geißel der Menschheit gleichkommt“. Auch werde „jemandem mit einer korangeprägten Mentalität (...) kaum eine individuelle Entfaltung zugestanden“. Er habe deshalb die Gefahr gesehen, dass durch die Veröffentlichung des Buchs „antimuslimische Ressentiments verstärkt werden“ könnten und eine „umfassende Überarbeitung“ gefordert.

Sarrazin weist Vorwürfe zurück

Er habe, so Rathnow weiter, Sarrazin bisher immer verteidigt, auch in dem Streit um sein erstes Buch „Deutschland schafft sich ab“. Das neue Buch sei aber „argumentativ schwach“. Rathnow sagte auch, dass er die politisch aufgeladene Stimmung im Blick hatte. „Es kann schon sein, dass die allgemeine Stimmungslage Einfluss auf die Entscheidung hatte, das Buch nicht zu verlegen.“

Sarrazin wies in der „Zeit“ die Vorwürfe zurück. „Alle Zitate in meinem Buch sind belegt, die Quellen sind renommiert.“ Durch die Verschärfung des politischen Klimas im Land fühle er sich eher bestätigt. „Wenn Sie meine bisherigen Bücher lesen, dann stellen Sie leicht fest: Es war nie übertrieben. (…) Leider hat sich alles bewahrheitet, was ich in „Deutschland schafft sich ab“ geschrieben habe.“

Einige SPD-Politiker hatten bereits angekündigt, nach dem Erscheinen des Buchs erneut Sarrazins Parteimitgliedschaft prüfen zu wollen. Mit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ und umstrittenen Thesen zur Einwanderung im August 2010 hatte der frühere Berliner Finanzsenator Entrüstungsstürme und Debatten über Islamkritik und Vererbung von Intelligenz ausgelöst. Mit dem Versuch, Sarrazin aus der SPD auszuschließen, war die Parteiführung im Jahr 2011 jedoch gescheitert. (dpa)