Ein italienischer Gastronom aus meiner Heimatstadt pflegte zu sagen: „Die Deutschen haben keinen Geschmack, sie essen Currywurst mit Nutella!“ Wer am Mittwoch im Postbahnhof beim Konzert der amerikanischen Independent-Skandalnudel in Aspik mit Namen Ariel Pink zugegen war, wird bestätigen können, dass man nicht nur an Currywurst mit Nutella, sondern auch an Pizzagyros mit Champignonrahmsauce Geschmack finden kann. Übertragen in die Musik heißt das: Bei Ariel Pink und seiner sechsköpfigen Band wird schlichtweg alles verwurstet, was in den letzen 50 Jahren in den Charts der kommerziell tickenden Herzen war: Doowop, Hardrock, Darkwave, Bubblegumpop, Prog- oder Funkrock, um nur ein paar der Ingredienzien aus der Gulaschkanone dieses ausgebufften Schweinepriesters zu nennen.

„Ohhh, meine Freundin hat mir gerade eine SMS geschrieben, sie ist ab heute Vegetarier – es ist aus!“, teilt der Sänger seinem Publikum im Schimpfton mit – und packt sein Smartphone in seine Hosentasche zurück. Er trägt ein viel zu kurzes T-Shirt, was seinen kleinen Bauchansatz hübsch zum Vorschein bringt.

Von manchen Leuten sagt man, dass sie einen Kuhmagen haben, der einfach alles verdauen kann. Und wie man in Ariel Pinks Musik von himmlischen Beach-Boys-Chören in die Sisters-of-Mercy-Darkdisco rutscht, um wenige Momente später bei Ted Nugent Hardrockriffs wieder ausgespuckt zu werden, ist wirklich nur etwas für die kirmeserprobten Mägen unter den Omnivoren. Die eingeschworene Fangemeinde in Berlin jedenfalls feiert ihren Meister, der viele Songs von seinem aktuellen Album „pom pom“ zum Besten gibt, fast wie einen Guru des bizarren Geschmacks.

Ariel Pink bietet Borderlinepop für eine gestörte Gesellschaft, in der vieles einen extrem unangenehmen Beigeschmack hat. Und wie unterschiedlich die Körper doch mit diesem Sachverhalt umgehen: Der eine bekommt eine Laktose-Intoleranz, der andere besorgt sich rasch noch eine Currywurst mit Nutella.