Berlin - Zum Jahreswechsel 1967/68 wurde „Rohfilm“ auf das legendäre Festival im belgischen Knokke eingeladen. Hier war die westeuropäische und US-amerikanische Avantgarde versammelt. Birgit und Wilhelm Heins radikales Werk – ein 20-minütiges Gewitter aus Ton- und Bildfragmenten – stieß auf Respekt. Fortan fungierte das Paar als Epizentrum der bundesdeutschen Experimentalfilmszene. In ihrer Heimatstadt Köln etablierten sie mit XSCREEN eine Drehscheibe für die Präsentation von seelenverwandten Künstlern, die sich wie sie vehement gegen den kommerziellen Missbrauch der bewegten Bilder stemmten. Die Heins machten und zeigten Filme gegen das bürgerliche Kino. Manchmal wurden sie dafür enthusiastisch gefeiert, noch öfter angefeindet und behindert. Bis zum Ende der 1980er-Jahre waren sie gemeinsam als unermüdlich-umtriebiges Paar unterwegs, stellten mehr als 30 Filme her und führten unzählige Veranstaltungen im In- und Ausland durch.

Es war vor allem das Verdienst von Birgit Hein, neben der künstlerischen Arbeit auch das eigene Tun zu reflektieren und Kollegen aus aller Welt zu unterstützen. Viele Jahre wirkte sie als Professorin in Braunschweig, ihre Publikationen „Film im Underground“ (1971) und „Film als Film“ (1977, mit Wulf Herzogenrath) gelten als Grundlagenwerke. Die Onlineplattform des Arsenal-Kinos widmet ihr nun eine Retrospektive. Zu sehen sind die wichtigsten Gemeinschaftsarbeiten mit Wilhelm Hein sowie eigenständige Filme.

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