Jeremy Shaw, „Liminals“, 2017, Teil der „Quantification Trilogy“ in der Julia Stoschek Collection.
Quelle: Julia Stoschek Collection

Berlin - Es ist ein ein Vorblick auf eine andere, eine transformierte Welt, die Jeremy Shaw in seinem pseudo-dokumentarischen Film „I Can See Forever“ (2018) einfängt: Er spielt knapp 40 Jahre in der Zukunft und blickt durch Retro-VHS-Film nostalgisch zurück auf das „Singularity Project“ – ein gescheitertes Regierungsexperiment, das im Narrativ des Films eine Synthese von Mensch und Maschine versucht. Der Protagonist ist der 27-jährige Roderick Dale (Roderick George), einziger Überlebender des Experiments. Mit seinen 8,7%-Maschinen-DNA hat er sich vollends dem Tanz verschrieben.

Und wie er tanzt! Ihm zuzusehen, wie er, allein, balletthafte Pirouetten vollführt, die wie nahtlos im Takt in kraftvolle Sprünge und breakdanceartige Akrobatik überleiten, wie er die Spannung hält zwischen formvollendeter Perfektion und selig-anmutigem Sich-fallen-Lassen, wirkt tatsächlich übermenschlich. Und es dockt auch an die Post-Lockdown-Zeit an: Nicht nur ist das Alleintanzen ein Zustand, den viele spätestens seit diesem Jahr aus dem eigenen Wohnzimmer kennen; der Tanz des Protagonisten lädt einen beim Zusehen auch mit einer beinahe vergessenen Sehnsucht auf: nach Bewegung, Rhythmus, Performance, Ekstase – nach totaler Hingabe an den Beat.

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