Artur „Atze“ Brauner, der legendäre Berliner Filmproduzent, der dem Holocaust nur knapp entkommen war, nahm sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor, das Schicksal des jüdischen Volkes vor dem Vergessen zu bewahren. Als er spürte, dass im restaurativen Klima der Adenauer-Zeit kaum jemand solche Filme sehen wollte, setzte er aufs Kommerzkino: „Ich drehte Unterhaltungsfilme, mit denen ich viel Geld verdiente, und Holocaust-Filme, mit denen ich viel Geld verlor.“ Doch auch in seinen scheinbar trivialen Arbeiten gibt es immer wieder Bezüge zur NS-Zeit.

Man nehme „Der Henker von London“ (1963) nach einem Roman von Bryan Edgar Wallace. Hier treibt ein Mörder sein Unwesen, der Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmelzen will. Die von ihren Körpern abgetrennten Köpfe junger Mädchen werden auf einen künstlichen Herz-Lungen-Apparat verpflanzt: „Ich diene einer höheren Idee“, sagt Dieter Borsche, der den besessenen Arzt zwischen Genie und Wahnsinn porträtiert. Nach außen hin biederer Bürger, steht er als metaphorische Figur für SS-Ärzte mit ihren Menschenversuchen in den Konzentrationslagern. „Ich bin unschuldig“, betont er nach seiner Entlarvung, genau so wie die Angeklagten vor dem Nürnberger Gerichtshof oder der Kriegsverbrecher in Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ (1946).

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