In Shanghai waren die Straßen wie leergefegt, als im Radio Beethovens Fünfte gespielt wurde. Mingkang Li, geboren 1936, erinnert sich genau. „Das war das Ende der Kulturrevolution.“ Vier Jahre später gründete sich die Band, in der er noch heute spielt. Die Peace Old Jazz Band, benannt nach dem Luxus-Hotel, in dem sie jeden Abend auftritt.

Alt sind nicht nur sie selbst – im Durchschnitt 76 Jahre – alt ist auch ihre Musik. Jazzstandards aus der Glenn-Miller-Ära, Tanzmusik aus der Zeit der Ballrooms in klassischer Jazzcombo-Besetzung. Die Musiker spielen in schwarzen Anzügen und weißen Hemden, die Mienen unbewegt. Der jüngste unter ihnen, der Trompeter Mengqiang Lu, 53, treibt die alten Herren an, manchmal eiert die Band wie eine Schallplatte, die zu langsam läuft, aber im Konzert geben sie alles, egal, ob ein Bein geschwollen ist oder der Rücken schmerzt. „As Time goes by in Shanghai“ nimmt das Leben dieser Musiker auf, ohne daraus angestrengt eine „Story“ zu machen.

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