Uns vereint ein Stück Unendlichkeit. Singt Helene Fischer auf ihrem neuem Album. Es ist ihre erste Veröffentlichung seit „Farbenspiel“ aus dem Jahr 2013, Live-DVDs und Weihnachtsplatten nicht mitgezählt. Sie ist schlicht „Helene Fischer“ betitelt. Die Sängerin als Namensstifterin, das soll in der Regel auf ein besonders persönliches Album hinweisen.

Als erhalte man mit Erwerb des Tonträgers ein klangliches Abbild aller Facetten einer Künstlerpersönlichkeit. Das kann man im Fall von „Helene Fischer“ allerdings nur insofern behaupten, als die Persönlichkeit der Sängerin von jeher eine unbekannte Größe, Helene Fischer eine Frau ohne Eigenschaften war.

Bewährtes mit gerader Bassdrum

Nach dreieinhalb Jahren überrascht Deutschlands Musikverkaufskönigin mit – noch mehr Technoschlager. Bewährtes mit gerader Bassdrum. Mal pauschalurlaubsreif ins Balearische spielend, mal discokeck den Bass in den Dubstep-Bereich pegelnd, mal erdverwachsen in Country-Gefilden fischend. Zwischendrin zwei von schwermütigem Klaviergeklimper angekündigte Balladen und Formatradio-Rock nach Coldplay-Standard mit grölbaren Owejohoho-Chören.

Kurz: Es bleibt alles wie gehabt. Mag die Welt auch aus den Fugen geraten sein, hier hält das Zentrum. „In dieser schnellen Zeit bist du die Sicherheit“, würden wir der schönen Helene zurufen, wenn sie das nicht schon selber sänge. Aber wer, wenn nicht sie, könnte sich denn aus dem Fenster lehnen? Sein Publikum mitnehmen, zu unbekannten Orten? Schließlich verkauft sie auch ohne neues Album fünfmal hintereinander die Kölner Lanxess-Arena aus. Stattdessen merkelt sich Helene Fischer – oder wer auch immer hier für die künstlerischen Entscheidungen verantwortlich zeichnet – einfach so durch.

Viel Liebe, ein wenig Pathos, Abfeiern am Wochenende

Na schön, werden sie sagen, dazu ist Schlager doch da. Viel Liebe, ein wenig Pathos, Abfeiern am Wochenende – „Funktionieren kannst du gut/ Hältst ganz schön viel aus/ Doch am Ende der Woche steh’n wir/ Und holen dich raus“, singt Helene als Party-Übermutter – und das alles schön generisch gehalten. Stimmt schon.

Blöd nur, dass das inzwischen auch für die deutschsprachige Popmusik gilt. All die empfindsam-verwuschelten Typen, von Max Giesinger bis Andreas Bourani, wirken ja noch ungleich strukturkonservativer und fremdgesteuerter als Helene Fischer.

Deshalb hatten wir uns – wider besseres Wissen – nach dreieinhalb atemlosen Jahren doch etwas mehr erwartet als bloßes Verharren im unendlichen Stillstand.