BerlinIm Netz kursieren Gerüchte, dass Sympathisanten des Verschwörungstheoretikers und veganen Kochs Attila Hildmann an der Zerstörung von Kunstwerken auf der Berliner Museumsinsel beteiligt gewesen sein könnten. Die Wochenzeitung Die Zeit hat dies ebenfalls in einem Bericht angedeutet. Indes teilt der umstrittene Koch auf seinem offiziellen Telegram-Kanal diverse Medienberichte, die sich auf die Gerüchte beziehen. In Hildmanns Kommentaren werden sie zum Teil sogar bestätigt. 

Auf seinem offiziellen Telegram-Account zitiert Hildmann folgenden Passus aus einem Bericht von Deutschlandfunk Kultur, dessen Redaktion zusammen mit der Wochenzeitung Die Zeit die Zerstörung öffentlich gemacht hatte: „Der Verschwörungsideologe Attila Hildmann hatte im August und September auf seinem öffentlichen Telegram-Kanal verbreitet, dass sich in dem zu diesem Zeitpunkt noch Corona-bedingt geschlossenen Pergamonmuseum der ‚Thron des Satans‘ befinde und es das Zentrum der ‚globalen Satanisten-Szene und Corona Verbrecher‘ sei.“

Attila Hildmann hat unter dem Bericht von Deutschlandfunk Kultur einen Kommentar mit folgendem Inhalt verfasst: „FAKT! ES IST DER THRON DES BAAL (SATANS) UND SATANISTIN MERKEL WOHNT 50 METER DAVON ENTFERNT AM KUPFERGRABEN 6!“ Zur weiteren Erklärung hat Hildmann außerdem einen Bericht aus der Tageszeitung Die Welt geteilt, in dem die Bedeutung des Pergamonaltars aufgeschlüsselt wird. Zudem hat der Verschwörungstheoretiker die krude Mutmaßung verfasst, dass der Pergamonaltar für sexuelle Riten instrumentalisiert werde.

Auf der Pressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitzer am Mittwochmittag fiel die Frage, inwiefern die Polizei Erkenntnisse habe, dass tatsächlich Hildmann-Anhänger oder Hildmann selbst die Zerstörung organisiert haben könnten. Carsten Pfohl, der Leiter des LKA Berlin, Abteilung Kunstkommissariat, sagte, die Polizei ginge von einem Einzeltäter aus, könne aber nicht ausschließen, dass mehrere Personen beteiligt gewesen waren. Die Objekte seien wahllos angegriffen worden. Eine Beteiligung von Hildmann-Anhängern könne man zur Stunde weder ausschließen noch bestätigen.

Der Zustand des Altars ist ungewiss

Der Pergamonaltar entstand im 2. Jahrhundert vor Christus und befindet sich heute im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in Berlin. In der Offenbarung des Johannes wird auf den Pergamonaltar Bezug genommen. Dort heißt es: „Gemeinde zu Pergamon ... Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist; und hältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt.“ Der Passus zeigt, dass der Altar für Christen eine Art Heidenverehrung darstellte und daher auf Ablehnung stieß.

Pergamon war eine antike griechische Stadt, die heute auf dem Gebiet der westlichen Türkei liegt. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts fanden Ausgrabungen statt, bei denen man auf die Stadt Pergamon gestoßen ist und unter anderem auch den Altar fand. Da die Form an einen riesigen Thron mit zwei Armstützen erinnert, hat man den Thron auf die Bibelstelle in der Offenbarung des Johannes bezogen. Diese Bezüge verleiten Verschwörungstheoretiker schon seit mehreren Jahren dazu, den Pergamonaltar als Satanssitz zu bezeichnen. Der Altar selbst scheint von den Zerstörungen nicht betroffen zu sein.

Zeugenaufruf der Polizei

Die Berliner Polizei hat mittlerweile einen Zeugenaufruf auf ihrer Seite veröffentlicht. In der Polizeimeldung heißt es: „Unbekannte Täterinnen oder Täter griffen am 3. Oktober in der Zeit von 10 Uhr bis 18 Uhr zahlreiche Kunstwerke und Artefakte in mehreren Museen auf der Berliner Museumsinsel an. Die Unbekannten brachten eine Flüssigkeit auf die Objekte auf und verursachten damit einen noch nicht abschließend zu beziffernden Schaden. Das zuständige Fachkommissariat für Kunstdelikte im Landeskriminalamt Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Um die Untersuchungen und Recherchen nicht zu gefährden, entschlossen sich die Ermittlerinnen und Ermittler, in Abstimmung mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, aus ermittlungstaktischen Erwägungen sich zu dem Geschehen bislang nicht öffentlich zu äußern und sich nunmehr erst jetzt mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit zu wenden.“

Hinweise seien erwünscht und zu richten an: LKA 444 am Tempelhofer Damm 12 in 12101 Berlin-Tempelhof unter der Rufnummer (030) 4664-944409 oder an jede andere Polizeidienststelle.