Erstmals hat sich Kultursenator Klaus Lederer (Linke) in der seit Monaten laufenden Debatte um das Eugen-Gomringer-Gedicht an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) geäußert. In der Fragestunde des Abgeordnetenhauses am Donnerstagmittag bezeichnete er den Vorwurf des Sexismus’ gegen den Dichter als „absurd.“

Er halte die Entscheidung, das Gedicht durch ein anderes zu ersetzen, für „falsch und misslungen“, aber es sei das „gute Recht der ASH, über ihre Wandgestaltung selbst zu entscheiden.“ Er habe genauso viel Respekt für die Kunstfreiheit wie für die Autonomie der Hochschule. Außerdem sei das Gedicht schließlich nicht verboten worden, jeder dürfe es lesen oder an seine Hauswand schreiben, wenn der Dichter dem zustimme. 

Lederer folge der Argumentation der für diese Entscheidung maßgeblichen Interpretation dieses Gedichts als sexistisch nicht. Es handele sich um ein Schlüsselwerk der konkreten Poesie aus den 1950ern, das allerdings an einer Hauswand in der Gegenwart in neuen Kontexten gelesen würde.

Gute Debatte, falscher Anlass

Jedes Kunstwerk lasse sich widersprüchlich interpretieren und könne auch Anstoß erzeugen. Nun den Gegenstand des Anstoßes zu tilgen, werde die Kontroverse allerdings nicht beenden. „Und das ist auch gut so“, so Lederer. Es sei wichtig, endlich über Sexismus und antiquierte Rollenmodelle zu debattieren, wenn auch das Gomringer-Gedicht dafür ein denkbar ungeeigneter Anlass sei. Die Hochschule erweise dieser Debatte letztlich wohl einen Bärendienst. 

Allerdings sei es auch daneben gegriffen, „Parallelen zur Bücherverbrennung oder zum Bildersturm des IS in Palmyra zu ziehen und Zensur zu rufen“. Man solle auf beiden Seiten versuchen, auf dem Teppich zu bleiben.