Die Peene-Werft in Wolgast Anfang der 90er-Jahre. Nicht weit von hier könnte Karsten Stegemanns „Niewetow“ sein.
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imago images/Jens Koehler

Die 17-jährige Lee ist ein wahres Früchtchen, stibitzt überall und handelt mit den Sachen an der Schule. Sie landet dann doch im Knast, wird schließlich in eine offene Verwahranstalt überführt. Dort stößt sie, wie zuvor bereits im Gefängnis, auf ein sediertes Mädchen mit „zitternden Quallenaugen“. Seit Monaten verschwinden immer wieder Teenager in Philadelphia, und Lee muss sich in Acht nehmen. Auf nächtlichen Kostümfesten lernt sie andere Außenseiter kennen, auch Tomi, der sie in die Tiefen des Darknets, in die Philosophie der Kulte und schließlich in die moderne Kunst einführt. In seinem Debütroman „Philadelphia Underground“ frönt der US-Amerikaner Augustus Rose ausgiebig seinen Faibles für Okkultes und die Kunst der Moderne, im Speziellen für den großen Kunstprovokateur Marcel Duchamp.

Er schreibt mit der Emphase eines Gläubigen und zerrt uns durch viele soziale Hochdruckgebiete und an den Rand zahlreicher Abgründe. Bei den Abhandlungen, die er  Tomi in den Mund legt, bedient er sich jedoch allzu oft bei Wikipedia und verliert dabei fast den Thrillerfaden. Die vorlesungshaften Lektionen wird genießen können, wer so was mag, wir anderen taumeln gerne mit Lee an den Rändern entlang.  In Karsten Stegemanns schaurig-schönem „Niewetow“ hingegen ist alles Atmosphäre. Nebel wabert über der kleinen Ostseeinsel, Köpfe tauchen aus dem dreckigen Wasser auf, im oberen Stock sitzt eine Alte, Anrufer atmen bedrohlich ins Telefon.

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