Wieder so ein Auktionsrekord, bei dem einem beim Lesen der Summe die Augen tränen. Abermals das Gefühl, dass der internationale Kunstmarkt an Wahnwitz und monetärer Obszönität kaum mehr zu überbieten wäre. Gerade kam die Nachricht, dass in New York, beim Auktionsriesen Sotheby’s, der teuerste Heuhaufen aller Zeiten versteigert wurde. Ein anonymer Privatbesitzer hat es eingeliefert, der zahlte vor 33 Jahren übrigens zweieinhalb Millionen Dollar. Und ein anonymer Privatkäufer nimmt nun das Gemälde „Meules“ von Claude Monet (1840-1926) mit nach Hause. Er ließ sich das auf „nur“ 55 Millionen Dollar taxierte Motiv aus einer Bildserie des berühmten Impressionisten im Wett-Bieten mit sechs anderen Interessenten letztlich 111 Millionen Dollar (98,8 Millionen Euro) kosten.

Claude Monet hatte seinerzeit, zumindest als er bekannt geworden war und der mit der Wirkung des Tageslichts arbeitende, der freien Natur verbundene Stil der Impressionisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts endlich akzeptiert wurde, nicht schlecht verdient. Aber dass im Jahr 2019 einer seiner von der Abendsonne übergossenen, daher wie brennenden Heuschober derart durch die Finanz-Decke schießen würde, das hätte ihn wohl aus der Mal-Ruhe gebracht. Denn nicht mal seine zauberhaften „Seerosen“ von 1906, auch eine ganze Serie, waren annähernd kostspielig. 

Das teuerste Impressionismus-Werk bei einer Auktion

Dieses Exemplar aus den „Meules“ von 1890 ist nun das bis dato teuerste Impressionismus-Werk bei einer Auktion. Letzten Herbst konnten wir im Potsdamer Museum Barberini noch einen Teil der Monet’schen Heuschober-Serie sehen. Niemand weiß, ob der neue Besitzer es nun generös einem Museum leiht. Ob er es im Safe einbunkert, ab und an genüsslich betrachtet. Oder ob er es zollfrei in einem Kunstlager deponiert, bis sich zu gegebener Zeit noch viel mehr damit erzielen lässt.