Berlin - Mitte der 1950er-Jahre schreibt der bulgarische Autor Angel Wagenstein ein Filmexposé mit dem Titel „Sterne“. Es ist die Geschichte eines deutschen Unteroffiziers, der während des Zweiten Weltkrieges in Bulgarien stationiert ist und dort, im Lager, eine griechisch-jüdische Lehrerin kennenlernt. Mit ihren Mitgefangenen, darunter zahlreichen Kindern und Greisen, soll die Frau in den Tod geschickt werden. Der Unteroffizier, der sich in sie verliebt, hilft ihr mit Medikamenten. Doch er kann sie nicht retten; sie verschwindet auf immer in Nacht und Nebel.

Das Exposé wird nach Babelsberg gereicht; es soll als Vorlage für eine erste Koproduktion zwischen der Defa und Bulgarien dienen. Als Regisseur kommt Konrad Wolf ins Spiel; in einem Interview vor Drehbeginn sagt er über die beiden Hauptfiguren: „Für mich sind das die zeitgenössischen Romeo und Julia.“ Die kulturpolitischen Entscheidungsträger raten ihm, er möge aus dem Stoff bitte keine sentimentale Liebesgeschichte machen, kein Melodram. Wolf inszeniert sorgfältig und schnörkellos, dabei durchaus emotional. Bei der Studioabnahme klatscht die Defa-Belegschaft stehend Beifall.

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