Für die Art Berlin weist kein Weg mehr in die Zukunft.
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BerlinDie am Mittwoch verkündete Einstellung der Kunstmesse Art Berlin hat selbst in den einschlägigen Fachkreisen nur noch ein Schulterzucken ausgelöst. Die Mitteilung der Kunstmesse Köln, ihr Berliner Engagement nach drei Jahren wieder zu beenden, folgt einer nachvollziehbaren und insgeheim schon erwarteten Konsequenz.

Der Art Berlin, die unter dem Kölner Patronat auf die Messe ABC folgte, war es nie vergönnt, eine eigene Tradition, geschweige denn Anziehungskraft zu entfalten. Vielmehr blieb sie ein von ökonomischen Erwartungen angetriebener Satellit.

Die demissionierenden Veranstalter halten sich denn auch mit leidenschaftlichen Bekundungen des Bedauerns zurück. Unter den gegebenen Bedingungen, ließ Gerald Böse, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Koelnmesse verlauten, sehe man keine Möglichkeit, eine Veranstaltung zu realisieren, „die unseren Vorstellungen gerecht wird“. Ausschlaggebend für die Entscheidung seien die aktuellen Rahmenbedingungen in Berlin gewesen, „die insbesondere Planungssicherheit vermissen lassen“.

Fremdeln in Tempelhof

So formuliert man das wohl in Geschäftskreisen. Bei dem Versuch, die Verantwortung zu teilen, kam denn auch der Berliner Senat nicht ungeschoren davon. So sei die Nutzung des Standorts Tempelhof ab 2020 nicht gesichert und das finanzielle Ergebnis nicht befriedigend gewesen. Von Köln aus betrachtet muss es immer ein wenig befremdlich gewirkt haben, dass selbst großen Berliner Kulturereignissen die Gunst der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht frei Haus zufliegt.

Was den Standort betrifft, waren gerade die weitläufigen räumlichen Arrangements in den Flughafenhallen eine eher gewöhnungsbedürftige Heimstatt für einen Ort des Kunsthandels. Dabei hatte gerade die Vorgängermesse ABC bewiesen, dass es durchaus möglich ist, den Charme einer Veranstaltung aus den wechselnden Örtlichkeiten des Berliner Prinzips Zwischennutzung zu beziehen.

In Tempelhof jedoch wurde man nie ganz den Eindruck los, dass das Messepublikum mit dem Standort fremdelt. Im Rahmen der Berliner Art Week, die sich als ein Konglomerat von nebeneinander existierenden Einzelveranstaltungen präsentiert, fehlte es der Art Berlin fast zwangsläufig an Wiedererkennbarkeit und Eigensinn.

Berlin muss sich zu Kunstmarkplatz bekennen

Die Kölner Entscheidung dürfte alle weiteren Bemühungen erschweren, den Kunststandort Berlin auch als attraktiven Marktplatz zu etablieren, auch wenn seitens der ebenfalls im Rahmen der Art Week stattfindenden Messe Positions umgehend Bedauern ausgedrückt worden ist.

„Mit jedem Jahr wuchs das Vertrauen in den Berliner Kunstmarkt, den es in dieser Form erst seit Mitte der 90er-Jahre gibt“, hieß es in einer Stellungnahme. Jetzt sei der Zeitpunkt, „an dem Berlin die Zügel wieder in die Hand nehmen muss und sich zu seinem noch jungen, doch auch vielversprechenden und wachsenden Kunstmarktplatz bekennen sollte“. Daraus spricht vor allem der Versuch, sich selbst zu ermutigen. In der Vergangenheit jedenfalls hatte es hinter den Kulissen durchaus handfeste Rangeleien zwischen den beiden konkurrierenden Kunstmessen gegeben.

Das vollmundig artikulierte Aufbruchsignal verkennt denn auch, dass sich gerade der Kunststandort Berlin nicht in der Situation vieler Start-up-Unternehmen befindet, sich mit ein paar guten Ideen und ein bisschen Mut einem wirtschaftlichen Wagnis hinzugeben.

Kein Käufermarkt

Bislang jedenfalls sind alle Bemühungen gescheitert, aus der Stadt der Künstler und Galerien auch eine bevorzugte Adresse für Sammler und Käufer zu machen. Im ökonomischen Jargon spricht man von einem Käufermarkt, den es in der Kunststadt Berlin seit der Vernichtung eines freien Kunstmarktes während der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr gegeben hat. Hinsichtlich des Kunsthandels befindet sich Berlin mit einem Bein noch tief in der Nachkriegsgeschichte, in deren Verlauf die großen Kunstgeschäfte in Köln und Basel oder auch in Miami gemacht wurden.

Inzwischen lässt sogar die Anziehungskraft auf Künstler nach, weil der Berliner Immobilienmarkt kaum noch günstige Ateliers hergibt, die bis vor wenigen Jahren opulente Arbeitsbedingungen geboten haben. Was bleibt, ist die Neugier des Berliner Publikums, das immer wieder bereit ist, sich zu den entsprechenden Ereignissen wie dem jährlich stattfindenden Gallery Weekend – das wie die Art Berlin von Maike Cruse geleitet wird – und der alle zwei Jahre von wechselnden Kuratoren angeleiteten Berlin-Biennale einfach treiben zu lassen.