Ein solches Schauspiel ist für gewöhnlich vor gefragten Berliner Clubs zu sehen, vor Galerien selten: Mehrere Hundert Neugierige warten am Donnerstagabend auf der Potsdamer Straße auf Einlass zur Eröffnung der Ausstellung „Berlin is for Lovers“ des Impossible Project Laboratory. „Ich bin total überrascht“, sagt Peter Bösch, Veranstalter der Eröffnungsfeier und verantwortlich für den Projektraum. „Mit so einem Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Auf Facebook hatten sich beinahe 4000 User für das Event angemeldet, mehr als 13.000 haben auf „interessiert“ geklickt. Auch kurz vor Mitternacht drängen sich die Wartenden noch dicht an dicht. Aber was genau wollen sich all diese Menschen eigentlich anschauen?

Das Impossible Project ist ein Unternehmen, das sich der analogen Fotografie verschrieben hat, das Polaroid-Kameras und das dazugehörige Zubehör herstellt. Impossible ist der Nachfolger von Polaroid; Die Unternehmer übernahmen 2008 die letzte Polaroid-Fabrikanlage in Enschede und brachten die Produktion wieder zum Laufen.

Nackt oder halbnackt

In der Berliner Niederlassung wurde nun ein Projektraum eingerichtet, der als Galerie, aber auch als Ort für Vorträge und Partys dienen soll. „Bei all den schrecklichen Nachrichten der vergangenen Zeit wollen wir einen Ort außerhalb davon schaffen“, erklärt Bösch. Entstanden ist vor allem ein Ort, der aus allen Nähten platzt.

Die Gäste drängen sich vor großflächigen Polaroid-Aufnahmen von Fotografen wie Jessica Wolfelsperger oder Pepper Levain. Zu sehen sind, in typischer Polaroid-Farbästhetik, sich nackt oder halbnackt räkelnde Männer und Frauen und Transsexuelle, einander umschlingend, sich küssend, mal mit Maske, mal ohne.

„Berlin ist nicht wie New York oder Paris“, sagt Bösch. „Niemand kommt wegen der Architektur hierher, sondern die Leute kommen wegen der Menschen und weil hier jeder frei leben und lieben kann.“ So viel zum Konzept des Ortes und der Ausstellung. Dass das Ganze auch gute Werbung für Impossible ist, versteht sich von selbst.

Intime Momente auf kleinen Bildern

Die Polaroid-Bilder im Project Laboratory sind noch bis einschließlich 26. August zu sehen. Auf den Rückwänden der frei stehenden großen Bilder sind viele kleine angeheftet, die häufig noch intimere Momente zeigen. Neben den bereits genannten Fotografen stellen Oliver Mark, Matt Lambert und Katja Sonnewend aus. Alle beweisen sie, dass Polaroid-Fotografie nicht nur Geknipse ist, sondern, dass ein gutes Auge Momente deutlicher fassen kann – auch wenn dem Ganzen der Charme des Flüchtigen und Unfertigen immanent ist.

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Dass diese Ästhetik es dank Instagram und aktueller Popkultur längst zu Mainstream-Weihen gebracht hat, beweisen die neuerliche Nachfrage nach Polaroid-Geräten und die vielen Gäste im Laboratory. Wer könnte ihnen das Interesse verdenken – schließlich geht es um intime Momente, und von denen kann niemand genügend haben.