Unter anderem Erwin Wurm, Slater Bradley, Christoph Schlingensief und Jonathan Meese: Es sind bekannte Namen der zeitgenössischen Kunst, die  Jan-Philipp Sexauer in seiner gleichnamigen Galerie in Weißensee versammelt. Heute Abend ist die Eröffnung der Ausstellung „Open Windows – Reflections on Beuys“.

Um den Großkünstler, Theoretiker und Professor aus Düsseldorf Joseph Beuys kommt man in Berlin derzeit nicht herum. Es ist sein 30. Todesjahr, und viele Künstler und Veranstalter sprechen ihm Widmungen aus. Das Theaterstück „Jeder Hase ein Künstler“, das am 20. Oktober im Vollgutlager der Alten Kindl Brauerei Premiere feierte, hat bisher wohl die größte Aufmerksamkeit erregt. Das klangliche Wirrwarr, inszeniert von Georg Nussbaumer, erdacht vom Schöpfer der US-Serie „Alf“, Tom Patchett, hätte in seiner Hasenhaftigkeit Beuys sicher gefallen – dieser nämlich war ein bekennender Hasenverehrer. Bei Sexauer wird nun nachgelegt.

Kein Beuys-Nachfolger

„Wir haben keinen Beuys-Nachfolger gesucht“, erklärt dazu der Galerist. „Aber es gibt eben Künstler, in deren Werk und Haltungen bis heute etwas von Beuys erkennbar ist.“ Für Sexauer, der bisher mit vielen jungen Künstlern zusammengearbeitet hat, sind dies vor allem ältere Jahrgänge. Hätte man jüngere mit Beuys beauftragt, sagt dieser scherzhaft, wäre wohl viel Pelz dabei herausgekommen. Es braucht etwas mehr. Der in Berlin lebende US-Amerikaner Slater Bradley ist so ein Beispiel. Er ist gewiss nicht alt, Jahrgang 1975, aber eben auch nicht mehr ganz jung. In dessen Werk – bei Sexauer hängt ein goldfarben übermaltes Bild – drückt sich eine Spiritualität aus, wie bei kaum einem anderen zeitgenössischen Künstler. Dies ist ein Bezug zu Beuys.

Den Interrealismus in die Schule bringen

Eine altersmäßige Ausnahme in der Ausstellung ist der 26-jährige Berliner Alexander Iskin, über den in den vergangenen Monaten einige Berichte erschienen sind. Im Zuge einer Preview für „Open Windows“ ließ er vor seinem Bild vier Mädchen Platz nehmen, die 45 Minuten, also eine Schulstunde lang, mit Buntstiften und Tusche seine Arbeit interpretierten und  danach ihre Zettel an eine Tafel steckten. In dieser Performance liegt Beuys’ Leitsatz: Jeder Mensch ist ein Künstler. „Ich wollte meinen ,Interrealismus‘ mal in die Schule bringen, schließlich habe ich selbst nicht studiert“, sagt dazu lakonisch Alexander Iskin.

Für Sexauer sei bei Iskin das Beuys’sche bereits angelegt gewesen, es musste nicht inszeniert werden. „Seine Arbeit ist doppelt kodiert“, so Sexauer. „Sein Bild ist dreigeteilt, es hat etwas von einem Tryptychon, von einem Altar, zugleich ist es eine Tafel. Zuvörderst ist da aber Iskins Kunstphilosophie, der „Interrealismus, mit dem er nach eigener Aussage auf einer Mission ist. Wenn das nicht an Beuys erinnert!

Was in den anderen Werken bei Sexauer steckt, das darf sich der Besucher selbst erschließen.

Open Windows – Reflections on Beuys: 26. Oktober bis 10. Dezember, Galerie Sexauer, Streustraße 90, Weißensee, Dienstag bis Sonnabend 13–18 Uhr