Hier war ihr Auftritt, auch der all jener, die zuvor nicht auf die staatlich abgesegneten Zentralen Kunstausstellungen der DDR gedurft hatten, weil sie abstrakt malten, subversive Botschaften in ihre Bilder steckten, Mail-Art etwa, die rund um die Welt versendet wurde.

Und dann stellten hier auch viele Künstler aus jenen Stadtteilen aus, die von Pankow durch die Mauer getrennt waren. Keine Trennung mehr zwischen Ost und West, nur noch Kunst aus Berlin jenseits vom Marktzwang: figürliche, geometrische, abstrakte, witzige, ernste, expressive, poetische Kunst.

Jetzt sind sie alle noch einmal da, die Künstler, die hier wie zu Hause waren, die Alten und die Jungen, die von damals und die von heute – mit mindestens einem Werk für die Ausstellung „Zwischenspiel“. Ein recht poetischer, sanfter Titel für eine Schau, die von soviel Empörung getragen ist. Aber dieses Dicht an Dicht der in Petersburger Hängung einander fast berührenden Bilder folgt keinem entspannten ästhetischen Konzept. Hier wollen wütende Künstler gesehen werden: Schaut her, das ist unsere Arbeit, unser öffentliches Podium!

Die kommunale Galerie Parterre nämlich wird, wenn kein Wunder geschieht, bald ersatzlos geschlossen, das schöne Haus verkauft. Gleiches droht der Galerie Pankow in der Breiten Straße, die seit 50 (!) Jahren der Berliner Kunst ein Forum gibt. Dem Sparzwang zum Opfer fallen sollen im Bezirk Pankow, damit auch im Raum Prenzlauer Berg und Weißensee – wo es immerhin eine Kunsthochschule gibt – auch das Theater Unterm Dach, der Musiker-Treff Wabe, die Musikschule Buch, Büchereien. Klubs wie Knaack und Ikon sind schon dicht.

Ein Aktionsbündnis Berliner Künstler hat sich gebildet. Die Betroffenen und die Solidarischen mailen, twittern, demonstrieren. Der Rotstift im Bezirksamt indes scheibt weiter am Pankower Kulturabbau-Drama. Im Bezirksamt wehrt man sich gegen den Protest. Selbst auf die heftigen Worte des Bundestagspräsidenten und bekennenden Pankowers Wolfgang Thierse zur Vernissage von „Zwischenspiele“ kommt nur reflexhaft die Auskunft, die Sparmaßnahmen seien „aus der Not geboren“. Der Senat gibt dem bedürftigen Bezirk nicht mehr Geld, im kommenden Haushalt sind das fünfeinhalb Millionen Euro weniger. Die spart man bei der Kultur.

Der 14. März ist der Schicksalstag. Dann stimmen die Bezirksverordneten ab. Siegt der Pragmatismus, gibt es in Pankow bald nur noch die Kultur der Makler und Luxusimmobilien.