War Johann Sebastian Bach (1685–1750) Antisemit? Lassen wir einmal die semantischen Streitigkeiten, ob es sich um Antisemitismus gar nicht handeln könne, weil es zu Bachs Zeiten, keinen rassistisch genährten Judenhass, sondern nur religiös geschürten Antijudaismus gegeben habe, einmal weg. Die Antwort auf die Frage ist sehr einfach: Schon da wir so wenig über Bach wissen, wissen wir auch das nicht. Es sind von Bach keine antisemitischen Äußerungen, geschweige denn Handlungen, überliefert. Also weg mit der Frage?

Im Bachhaus Eisenach ist eine kleine Ausstellung „Luther, Bach – und die Juden“ zu sehen, die deutlich macht, dass die Frage obwohl sie nicht beantwortet werden kann, gestellt werden muss. Warum? Wer immer die Johannes- oder die Matthäus-Passion heute hört, dem werden bestimmte Passagen übel aufstoßen. Es geht beide Male um dieselbe Situation. Jesus steht vor Pilatus und „die Juden“, die ihn vor sein Gericht gebracht haben, sprechen den Mörder Barrabas frei und verlangen von Pilatus, dass er Jesus kreuzige. Das sind die sogenannten Judenchöre in der Johannes-Ppassion oder die Passage „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ in der Matthäus-Passion.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.