Das Bildnis der „Ema“ ist der vielleicht bekannteste „Akt, eine Treppe hinabsteigend“ in der modernen Kunst. Gerhard Richter hat ihn in vibrierender Unschärfe nicht nur gemalt, sondern 1992 auch fotografiert. Das kunsthistorisch so beliebte Motiv, mit dem Marcel Duchamp 1912 in kubistischer Bewegtheit die klassische Moderne einläutete, ließ Richter als pastellweiße Schöne vor grau-schwarzen Treppenstufen erscheinen – ephemer und wie ein Traum, strahlend präsent und zugleich vergänglich. Ihr zur Seite gestellt wurde im me Collectors Room nun ein weißer Pfau. Der ausgestopfte Vogel thront auf hohem Sockel wie jenseitig farbentleert und ohne allen Blau-grün-silber-Popanz.

Vorbei an Helmut Newtons Großfotografie „Nude of Kristen McMenamy“ erkennt man an einer anderen Wand in Juergen Tellers Bild aus der Serie „Versace“ dasselbe Fotomodell Kristen McMenamy. Aufgenommen allerdings in schäbiger Nacktheit und mit einem mit Lippenstift auf die Brust gemalten Herzen. Körperbilder allesamt, die die Ästhetik ihrer Zeit verdichten. Bevor man den zweiten Ausstellungsraum betritt, wo das großformatige Porträt „Irène“ (1980) von Franz Gertsch im Stil des Fotorealismus seine grelle Wirkung in den Raum entfaltet, wird man durch einen hohen, antiken Zerrspiegel erst einmal selbst mit dem eigenen, auf den Kopf gestellten Konterfei konfrontiert.

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