Berlin - Die beiden italienischen Wörter Buongiorno und Arrivederci kennt wohl jeder. Für toscanaverliebte Touristen sind es vertraute Vokabeln, die nach Mittelmeersonne klingen, nach Pasta, Wein und Dolce Vita. Als Titel des Sommerfests internationaler Kunst in der Emerson Gallery, das in diesem Jahr seinen Fokus auf zeitgenössische italienische Kunst legt, spielen die zwei Grußformeln auf mehr an: auf die zwiespältige Beziehung italienischer Künstler zu ihrer Heimat.

Wer als junger italienischer Künstler versucht, in seinem Heimatland einen Fuß in Galerien oder Kunstinstitutionen zu bekommen, hat es nicht leicht. Die Kassen kultureller Einrichtungen sind leer, die Strukturen kompliziert und verstaubt. Viele zieht es darum ins Ausland, wie Barbara Fragogna, die das Sommerfest der Berliner Galerie kuratiert. Vor fünf Jahren zog die Venezianerin nach Berlin und arbeitet dort seitdem als Künstlerin und als Kuratorin im Tacheles. „Ja, in Berlin ist es leichter“, sagt sie.

Thema: Der menschliche Körper

Das Sommerfest eröffnete sie mit einer Einzelausstellung, einer Installation aus Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen. Fragognas Thema ist der menschliche Körper. Sie malt verfremdete Selbstporträts mit offengelegten Innereien, modelliert Organe aus Ton, zeichnet die Textur von Haut, holt sich Inspiration in antiken Anatomiebüchern. Ihre zarten Skulpturen, die den blumenartigen Formen menschlicher Innereien nachempfunden sind, bestehen aus ungebackenem Ton. Irgendwann werden sie zu Staub zerfallen, das steht fest.

Das Sommerfest ist für Fragogna eine willkommene Gelegenheit, junge Künstler ihrer Heimat zu unterstützen, die sie seit Jahren schätzt, aber denen bislang noch eine größere Bühne fehlte. So versammelt das Sommerfest Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Video, Performance und Tanz.

Im zweiten Teil führt Faragogna in einer Gruppenausstellung das multimedial arbeitende Künstlerkollektiv Jennifer Rosa aus Vicenza mit der jungen Malerin Greta Bisandola aus Padua zusammen. Bisandola malt poetisch-groteske Körper und Köpfe. Aus Gesichtern werden Landschaften, Gliedmaßen zu floralen Gebilden. Jennifer Rosa besteht aus sieben Fotografen, Videokünstlern und Tänzern, die sich auf vielfältige Weise mit dem Dasein in Raum und Zeit auseinandersetzen.

Der dritte Part kombiniert die fluxusartige Performancekunst von Andrea Penzo und Cristina Fiore mit Elisabetta Di Maggio, die im Sinne der Arte Povera mit solchen Alltagsmaterialien wie Papier oder Seife arbeitet, sowie mit Stickereien von Rebecca Agnes.

Die Auswahl der Künstler ist persönlich, aber doch hält Fragogna sie für repräsentativ für die Vielfalt zeitgenössischer Kunst Italiens. Ein zarter roter Faden verbindet alles miteinander: Die Künstler beschäftigen sich zwar nicht mit einem gemeinsamen Thema, aber ein besonderer Umgang mit kunsthistorischen Traditionslinien und vor allem mit Körperlichkeit ist ihnen gemein, sei es als Thema oder als Ausdrucksmittel.

Emerson Gallery, Schiffbauerdamm 19, 8. September: Jennifer Rosa & Greta Bisandola, 13. bis 22. September Penzo & Fiore / Rebecca Agnes / Elisabetta DiMaggio, Vernissage 12. September 19 Uhr. Di–Fr 14–19 Uhr, Sa 12–16 Uhr