In 19 Kategorien wurden Nutzer ausgezeichnet, die in den Sozialen Medien mit ihrem Engagement, ihrem Sachverstand oder ihrem Humor aufgefallen waren. 
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BerlinVor etwa zwanzig Jahren waren Blogs das neue heiße Ding – in Deutschland und weltweit. Autoren, Journalisten, Experten, Leute, die Lust hatten, ihre Meinung im Netz zu verbreiten – sie alle starteten einen Blog, den sie anfangs mit viel Eifer und Liebe betrieben, oft aber auch wieder einstellten, weil doch sehr viel Arbeit dahintersteckt.

Auf der anderen Seite entstanden und entstehen auch immer wieder neue Blogs. Und die sind oft professionell gemacht, stellt Thomas Knüwer fest, Autor des Blogs „Indiskretion Ehrensache“, und einer der Organisatoren des „Goldenen Blogger“-Preises, der am Montag zum dreizehnten Mal in Berlin verliehen wurde: „Es gibt mehr Blogs, die spezieller sind, und es gibt weniger Blogs, wo Menschen aus ihrem Alltag berichten, das ist schade“, sagt Knüwer.

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„Es gibt zugleich ein Bedürfnis nach wirklich guten Seiten, wo man sich informieren oder unterhalten lassen kann, ohne diesen ganzen Hass im Netz“, ergänzt Knüwers Kollege Daniel Fiene, Hörfunkjournalist und Podcaster.

In der Tat wird an dem Abend in der Berliner Microsoft-Zentrale klar: Wer glaubt, die Bloggerszene sei tot, der täuscht sich. Es gibt eine Unmenge an Ideen und Themen. In insgesamt 18 Kategorien werden Blogger ausgezeichnet. Auch reichlich abseitige Kategorien sind darunter, etwa der „Beste Flauscher“ – dabei geht es um Blogs, die sich mit Wohlfühlen und Sinnstiftung beschäftigen – andererseits: warum auch nicht?

In der Kategorie „Bester Blogger“ wurde die Gruppe „Volksverpetzer“ geehrt. 
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Politiker Ruprecht Polenz als Aufsteiger geehrt

Aufsteiger des Jahres wurde der 73 Jahre alte CDU-Politiker Ruprecht Polenz, der bei Twitter sehr aktiv ist. Für sein Lebenswerk wurde Sascha Lobo, 44 Jahre alt, geehrt. In der Kategorie „Bester Blogger“ wurde die Gruppe „Volksverpetzer“ ausgezeichnet, nominiert waren auch die Journalistin El Ouassil und der YouTuber Rezo.

Zum ersten Mal wurde ein Preis für den besten Kulturblog vergeben. Bianca Jankovska, gebürtige Wienerin, betreibt seit sechs Jahren den Blog „Groschenphilosophin“ (Motto: „Das Private ist beruflich“), in dem sie vom Leben einer jungen Journalistin anhand von vielerlei verschiedenen Themen erzählt, etwa warum es okay ist, nicht mit Freunden zusammenzuarbeiten. Oder was es heißt, als freiberufliche Journalistin mit verschiedenen Arbeitgebern verhandeln zu müssen.

Auch „Bürostuhlterror“, also Mobbing oder Angst am Arbeitsplatz sind Themen, über die die Groschenphilosophin schreibt. Und das alles in einem pop-kulturellen, oft auch frechen Ton. Auf den Titel sei sie durch Freunde gestoßen, erzählt Jankovska.

Das Leben mit Alzheimer: bunt und traurig

Überhaupt: In der Nische finden sich zum Teil faszinierende Blogs, die manchmal von Menschen betrieben werden, die nicht unbedingt etwas damit verdienen wollen. In der Kategorie „Bestes Themenblog“ waren drei Seiten nominiert: Einmal ging es um die Erfahrungen eines Lehrers, einmal um die Hintergründe in der Modeindustrie, gewonnen hat aber: „Alzheimer und wir“.

Die Münchener Journalistin Peggy Elfmann schreibt darin über ihr Leben mit ihrer vor acht Jahren an Alzheimer erkrankten Mutter. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, das muss raus, ich muss mich freischreiben, ich war mir aber nicht sicher, ob das Leute interessiert.“

Das tat es aber: Elfmann erzählt, dass sie viele Reaktionen bekommt von Lesern und Leserinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. „Ich wollte darüber schreiben, dass das Leben mit einer Alzheimer-Patientin auch bunt ist, es gibt natürlich viele traurige Momente, aber eben nicht nur.“

Auf vielen Kanälen unterwegs

Die Blogs haben sich stark gewandelt – oft kommen sie nicht allein daher, sondern werden, wie im Fall der „Groschenphilosophin“, durch einen Instagram-Auftritt begleitet. Der Instagram-Preis ging an die CSU-Politikerin Dorothee Bär, bester Podcast 2019 ist die „Wochendämmerung“ von Holger Klein und Katrin Rönike, die Nachrichten herausfiltern, über die man am Wochenende auf Partys mitreden können sollte.

Wer ernsthaft vom Bloggen leben will, so viel ist auch klar, muss zusehen, dass er mindestens 5000 Leser auf seinem Blog hat, so beschreibt es Bianca Jonkovska, die ihren Blog dank 600 Unterstützern mithilfe von „Steady“, einer Crowdfunding-Seite, finanziert.

Die meisten Blogger, das wurde an diesem Abend deutlich, sind auf mehreren Ebenen unterwegs, das „Community-Building“, also das Aufbauen einer Gruppe Gleichgesinnter gelingt viel leichter über Plattformen wie Facebook, Instagram oder Tumblr. Die Profile dort werden ebenfalls liebevoll gepflegt. Und auf den Plattformen werden, wenn man so will, ja auch Blogs betrieben, nur würde das niemand so nennen. Die Bloggerszene ist jedenfalls überaus aktiv.

Am Ende stand fest: Die Szene hat sich etabliert. Man sieht sich wieder zur nächsten Preisverleihung 2021.