Die kollektive Erinnerung an die Nachkriegszeit ist von wenigen Bildern geprägt, die sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben: Der russische Soldat, der einer Frau das Fahrrad entreißt; dunkle Schwarzmarktgestalten, die sich um ein paar Eier drängen; die Nissenhütten, in denen Flüchtlinge und Ausgebombte hausen. Diese Ikonen sind visuell so stark, dass sie die öffentliche Erinnerung an die ersten Nachkriegsjahre wie ein immergleicher Stummfilm strukturieren. Dabei fällt das halbe Leben unter den Tisch.

Die Erinnerung färbt schön, sagt man. Für die Nachkriegszeit gilt das Umgekehrte. Sie wurde im Rückblick immer düsterer. Ein Grund dafür liegt in dem verbreiteten Bedürfnis der Deutschen, sich als Opfer zu sehen. Je schwärzer die in der Tat schrecklichen Hungerwinter von 1946 und 1947 geschildert würden, umso weniger wöge, so glaubten offenbar viele, am Ende ihre Schuld.

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