Kürzlich ist die Autobiographie von der Jazzsängerin Uschi Brüning "So wie ich" erschienen.
Foto: imago/Sabine Gudath

BerlinManchmal komme ich innerlich beseelt von einem beruflichen Termin. So ging es mir neulich nach dem Interview mit Jazzsängerin Uschi Brüning. Ihre Lebensweisheiten begleiten mich seitdem in schwierigen Zeiten.

Wir saßen im Café Einstein in Mitte diszipliniert bei Selters, schwatzen über ihre Autobiografie „So wie ich“ (Ullstein, 20 Euro). Beim Blick in die Runde schmunzelten wir über schmale Männer vor riesengroßen Käsetortestücken und betrachteten dabei das Leben und die lange Karriere der 72-Jährigen.

Sie arbeitete als Justizangestellte, als sie sich 1970 entschloss, aus ihrer Leidenschaft fürs Singen einen richtigen Beruf zu machen. Der ernährt sie bis heute. Zurzeit ist sie in Deutschland auf Lesereise mit ihrem Buch. Lukas Natschinski unterstützt sie musikalisch, sie touren mit ihrem Programm „Herzenslieder“, Stephan König am Klavier, durch die Lande. Auf Jazz-Radio hört man regelmäßig ihre lakonischen und melancholischen Songs.

Aufgeben ist keine Option

„Am Abend mancher Tage, da wirft man alles hin“ , erklingt es da. Mir erzählt sie, dass sie niemals aufgibt. Das kann ich mir nicht so recht vorstellen, stahlhart erscheint sie mir nicht, eher kommt sie freundlich und ruhig daher. „Das Durchhalten habe ich von meiner Mutter“, sagt sie und erzählt, wie sich diese als Alleinerziehende von zwei Töchtern durchschlug: „Weil unsere Väter kaum oder gar nicht Unterhalt zahlten, kamen Vergnügungen nur selten infrage. Aber wir sangen viel miteinander.“

Als die Mutter, Kaffee- und Kaltmamsell in Leipzig, eine Auszeit brauchte, mussten die Kinder ins Heim. Für Uschi Brüning eine furchtbare Zeit. „Weil ich wegwollte, zurück zu meiner Mutter, es aber nicht durfte, fand ich für mich einen Ausweg. Ich sang, dann ging es mir besser.“ Uschi Brünings Überlebensexlixier war und ist das Singen.

Die Zeit der Enttäuschungen sind vorbei

Was gibt meinem Leben Halt, wo kann ich Freude auch in schwierigen Zeiten empfinden, überlege ich und finde viel. Das ist hilfreich.
Als aus der Enge in dem kleinen Land DDR 1989 die große weite Welt wurde, erinnert sie sich: „Da tat ich mich schwer.“ Säle blieben leer, stattdessen stieg die Wohnungsmiete in Höhe von 79 Euro auf das Zehnfache.

Zäh arbeitete sie lange am Wiederaufstieg. „Qualität kommt von Qual“, sagt sie und wir müssen beide spontan ziemlich lachen. „Aufgeben ist nicht“, belehrt sie mich energisch. „Auch die kleinen Möglichkeiten müssen genutzt werden. Man darf sich nicht zu schade sein.“ Da hat sie recht, kann ich nur bestätigen. Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen...

Die Zeit der Enttäuschungen ist für Uschi Brüning lange vorbei. Bei „Herzenslieder“ singt sie „Deinen Namen, ich halte ihn fest“ – einer ihrer größten Hits. 1972 präsentierte sie ihn zum ersten Mal. Im Publikum sitzen oft Menschen, die sie damals schon hörten. „Dass ich ihnen etwas geben kann, das vergangen ist, macht mich glücklich, es ist das Kostbarste.“ Geben ist seliger denn nehmen – auch der Spruch ist wahr.