Die Sängerin Ava Max gibt sich gerne sexy.
Foto: Warner Music

Amanda Ava Koci ist zu einer Zeit aufgewachsen, in der es Britney Spears noch gut ging. In der Britney mit Christina Aguilera zu den großen Popstars gehörte, von denen Fans sich ein Poster an die Wand hingen. In der Jugendliche gerne die Jeans locker trugen und ihre Songs in Dauerschleife hörten: „What A Girl Wants“, „Lucky“ – das waren damals starke Nummern. Vor allem waren es Songs, die die Lebenswelt heranwachsender Frauen widerspiegelten, gesungen von heranwachsenden Frauen. Man kann sich gut vorstellen, wie Koci dazu tanzte und lautstark grölte. Und vielleicht sogar selbst von einem großen Auftritt als Popstar träumte.

Rund zwanzig Jahre später ist der mittlerweile 26-jährigen Amerikanerin mit albanischen Wurzeln tatsächlich ein Schritt in Richtung Popwelt gelungen. Unter dem Künstlernamen Ava Max und mit der 2018 veröffentlichten Single „Sweet But Psycho“, wo sie über eine Frau singt, die in den Augen der Männer süß, aber auch etwas psycho sei, gelang ihr ein internationaler Hit. Millionen Mal wurde er auf Tiktok gehört, in den Charts war er wochenlang zu finden; und ihre Plattenfirma kündigte sie als nächsten großen Popstar an. Was nicht so falsch war, denn auch die folgenden Pop-Stücke „So Am I“ und „Torn“ erhielten allein auf YouTube rund 156 Millionen Klicks. Damit hält sie mit aktuellen Stars wie Lady Gaga und Katy Perry mit und übertrumpft sogar ihre einstigen Teenie-Idole.

Ava Max hat bei ihren Idolen gut abgeguckt

Interessant ist, dass sie sich weder musikalisch noch optisch von ihren Konkurrentinnen unterscheidet. Koci trägt meist platinblonde Haare, färbt sie aber genau so gerne wie Gaga und Perry. Auf Instagram zeigt sie sich in knappen 90er-Outfits, wie es einst auch Aguilera tat. Und die Vorliebe für tanzbare Popmusik: Die haben sie doch irgendwie alle. 

Koci hat also gut beobachtet, wie die Welt der Stars funktioniert und wie sie sich selbst auf die Bildschirme junger Fans platzieren kann. Jetzt ist sie das Idol, die Heranwachsende, die für Heranwachsende singt, über Liebe, Emanzipation, Männer. Der einzige Unterschied mag sein, dass sie ihr jetzt erscheinendes Debütalbum „Heaven & Hell“ erst zwei Jahre nach ihrer ersten Single „Sweet But Psycho“ und den sieben darauffolgenden veröffentlicht. Ansonsten erscheinen Alben doch früher

Doch die Musikwelt hat sich ohnehin verändert. Pop-Fans scheinen es heute sowieso mehr auf Singles abgesehen zu haben, anstatt auf Alben, und online kriegen sie die Musik schneller zu hören. Dass sich Koci anpasst, ist logisch, hat aber den Nachteil, dass man die Hälfte ihres Albums bereits kennt. Die verbleibenden Lieder klingen nicht anders wie die bereits bekannten.

Die Fangemeinde wird sicherlich jubeln, der Ruf als nächste Aguilera oder Britney kann ihr angehängt werden. Um tatsächlich als nächster großer Popstar zu gelten, muss sie sich jedoch erst noch eine Weile halten und mit eigenen Ideen beweisen.

Ava Max - „Heaven & Hell“ (Atlantic / Warner)