Die Transaktionen von Springer in dieser Woche – der Konzern verkauft seine Regionalzeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt sowie seine Frauen- und Programmzeitschriften an die Funke Mediengruppe – hat für viel Aufmerksamkeit in der Medienbranche sowie am Aktienmarkt gesorgt. Für 920 Millionen Euro sollen die Print-Titel an den vormaligen Essener WAZ-Konzern gehen, darunter die Zeitschriften „Hörzu“, „TV Digital“, „Funk Uhr“ und „TV Neu“ sowie die „Bildwoche“, „Bild der Frau“ und „Frau von Heute“. Dazu ein Gespräch mit Horst Röper, Zeitungsforscher am Formatt-Institut Dortmund .

Herr Röper, bislang dachte man , der Springer-Vorstandsvorsitzende Matthias Döpfner sei ein Verfechter des Journalismus, immerhin rief er auch eine Rechercheredaktion ins Leben. Nun hat man den Eindruck, dass sein Konzern auf wesentliche Teile seines Kerngeschäftes verzichtet.

Natürlich tut er das. Döpfner will im Internet wachsen, der ursprüngliche Springer-Geist eines Zeitungs- und Zeitschriftenverlags ist schon lange verflogen, der Verlag führt seit einigen Jahren auch nicht mehr das Wort „Verlag“ im Titel, insofern ist der gestern bekannt gewordene Deal eine konsequente Fortsetzung dieser Strategie.

Die Regionalzeitungen waren ja profitabel. Ebenso die TV Magazine und die Frauenzeitschriften. Hat Springer da auf den letzten Drücker das Tafelsilber verkauft um sich vor möglichen künftigen Verlusten zu schützen?

Nein, nicht unbedingt. Die verkauften Zeitungen und Zeitschriften haben sicher noch eine Zukunft. Das Hamburger Abendblatt etwa ist Monopolist in Hamburg, aber man muss festhalten: Springer interessiert sich nur noch für den nationalen und den internationalen Markt und verabschiedet sich nun von den lokalen Märkten, er hat ja auch seine Anzeigenblätter verkauft. Aber klar: Was in zehn, zwanzig Jahren sein wird, weiß niemand.

Nun soll viel Geld in Internetprojekte fließen. Aber offenbar nicht in journalistische Projekte. Wird Springer zum Allerweltskonzern der mit allem möglichen handelt?

Ja in der Tat. Springer wird zum Mischkonzern, ähnlich wie Burda. Das, womit er im Netz Geld verdient, hat meist gar nichts mit Journalismus zu tun, das sind Immobilienportale und Jobbörsen.

Das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost waren in einer Redaktionsgemeinschaft die die überregionalen Teile produzierte. Was bedeutet das für die bei Springer verbleibende Zeitung Die Welt? Macht die künftig noch größere Verluste?

Ja, davon muss man ausgehen. Wir wissen nicht, wie Springer damit umgehen wird. Eines muss man Döpfner lassen: Über Jahre wurde die defizitäre Welt durchgefüttert, nun muss man auch um dieses überregionale Blatt fürchten. Es war ja Axel Springers Erfindung, aber diese Tradition zählt offenbar nicht mehr, was man ja auch an dem Verkauf des Hamburger Abendblatts sieht, Springers erste Zeitung .

Die WAZ Gruppe war in der Vergangenheit nicht zimperlich im Umbang mit seinem Personal, wenn es darum ging, Redaktionen zu verschlanken, zu verkleinern oder gar aufzulösen. Ist denn bei den Zeitungen und Magazinen, die die WAZ bzw. Funke- Gruppe gekauft hat, da überhaupt noch Luft?

Sie werden sich sicher schwer tun mit den Zeitungen in Hamburg und Berlin, weil sie da noch nicht im Markt sind. In Berlin muss die Morgenpost erstmal entflochten werden aus dieser Redaktionsgemeinschaft, man hatte ja schon keine eigenständige Vollredaktion mehr. Bei den überregionalen Inhalten gibt es durchaus Synergieeffekte, eine Motorseite kann man auch von Essen aus produzieren, auch bei den Publikumszeitschriften sind Synergien möglich – ob man nun in München für drei oder fünf Titel produziert, ist kein so großer Unterschied.

In den USA ist die Schrumpfkur der Zeitungen schon bedeutend weiter fortgeschritten als in Deutschland. Nimmt der Umbruch in der Branche nochmals an Fahrt auf?

So würde ich das nicht formulieren. Wir erleben diesen Umbruch seit Jahren und er geht auf Kosten der Vielfalt. Immer mehr Titel kommen nur noch aus wenigen Häusern. Der Trend verstärkt sich.

Interview: Michael G. Meyer