BerlinPutzen gilt hierzulande als notwendiges Übel. Es ist verbunden mit schlechtem Gewissen, entweder weil die Wohnung nie sauber genug ist oder weil man die Reinigungskraft schwarz bezahlt. Der Dreck ist übel beleumundet und in der Tat enthält er Krankheitserreger; besonders unangenehm wird er, wenn man sich vor Augen führt, dass er zu einem gewissen Teil aus menschlichen Überresten besteht: ausgefallenen Haaren, abgeblätterten Hautschuppen, verspritzten Sekreten.

Bei einem Aufenthalt in der japanischen Dependance des Goethe-Instituts, der Villa Kamogawa, haben Birgit Severin und Guillaume Neu-Rinaudo vom Studio B Severin eine andere, eine vom eigentlichen Zweck abstrahierte Einstellung zum Putzen entdeckt und mit nach Berlin gebracht. Die Entfernung des Drecks ist hierbei eher ein gern gesehener Nebeneffekt bei einem Ritual der Achtsamkeit. Im Vordergrund steht die Verbindung von aufgeräumter Innen- und Außenwelt oder auch die soziale Komponente, wenn etwa japanische Kollektive den Arbeitstag mit gemeinsamem Putzen beginnen, wobei der Chef die verantwortungsvollste Aufgabe zu übernehmen hat: die Reinigung der Toiletten.

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