Im Berliner Ensemble wird ein neuer „Baal“ gespielt. Es inszenierte in eigener Ausstattung der viel geehrte und gebuchte Regisseur Ersan Mondtag. Stefanie Reinsperger spielt die Titelrolle. Man hat an diesem Hause schon einige schlechte Erfahrungen mit hohen Erwartungen gemacht (mit niedrigen leider auch), aber das hier sind gute Voraussetzungen für ein Theaterereignis.

Bertolt Brecht konnte seinen frühen Wurf von 1918 über die Jahrzehnte und Systeme hinweg nicht loslassen. Dieses ausgeilende und todesmutige Lyrikertier Baal, dessen Gedichte von Lebenssaft triefen und stinken, der die Gesellschaft angreift und von ihr ausgeschieden wird, der Frauen misshandelt, seinen Freund in sein Herz sehen lässt und ihn tötet und der nicht zuletzt seiner Mutter großen Kummer macht – dieser Baal, er zuckt und west noch heute. Immer wieder hat Brecht Baal neu zu fassen versucht, an ihm herumoperiert, unglücklich, weil er als Dichter inzwischen zu reif war und als Mensch zu erfahren, um sich seiner Figur zu nähern, ohne ihr das finstere Geheimnis der bösen jungen Kraftseele wegzuleuchten und abzumatten.

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