Nächste Woche hat im Ballhaus Ost ein Theaterprojekt Premiere, das den Zuschauern ein Eintrittsgeld nicht abverlangt, sondern − tröööt! − zahlt. Zehn Euro kann man verdienen, wenn man bis zum Schluss bleibt. Das Angebot gilt an den vier Vorstellungsterminen für die jeweils 25 ersten Zuschauer an der Abendkasse. Macht zusammen tausend Euro, plus die nicht eingenommenen Eintrittsgelder, die zirka bei noch einmal tausend Euro liegen dürften.

Finanziert ist das Projekt aus den Mitteln des Regierenden Bürgermeisters, also aus − tröööt! − Steuergeldern. Ein Konzept, mit dem sich vielleicht auch die Zeitungskrise lösen lässt. Für eine kleine finanzielle Entschädigung − zack! − wären vielleicht noch mehr Leser zu gewinnen.

Falls sich der Leser über das Getröte in dem Text wundern sollte, das ist unsere neue Pointenhupe. Der Knopf ist auf der Tastatur gleich neben dem Ironiebalken, der sich im Text mit − zack! − meldet. Der Deutsche − zack! − Presserat hat diese Instrumente verteilt, um unnötige Missverständnisse zwischen Journalist und Leser zu vermeiden.

Kritik am Selbstvermarktungsgebot

Zurück zum eigentlich ja sehr ernsten Thema. Nein, hier setzen wir kein Zack! Die freien Künstler wollen mit dieser marketingkritischen Marketing-Aktion darauf aufmerksam machen, dass die Kopplung von Markt und Kunst in die Sackgasse führt. Kritisiert werden soll das neoliberale Selbstvermarktungsgebot, das auch im öffentlich geförderten Kunstbetrieb gilt, wo man sich einen Namen machen oder die richtigen Multiplikatoren kennen muss, um an Öffentlichkeit und Fördergeld zu kommen. Dem wollen sich diese tapferen Theatermacher nun verweigern. Gut, am Geld soll es nicht scheitern, davon ist ja − tröööt! zack! − genug da.

Komplizierter wird es mit dem Schauspieler selbst, dessen Namen und Gesicht ja zwangsläufig seine Marke ist. Die Theatergruppe zieht die einzig mögliche Konsequenz. Sie nennt sich Anonymous, und ihre Mitglieder, deren Namen zu keinem Zeitpunkt genannt werden, treten mit Masken auf. Und zwar alle mit der gleichen Guy-Fawkes-Maske, die wir von der gleich-(tröööt)-namigen Protestbewegung kennen.

Ja, aber wenn alle gleich aussehen, wie unterscheidet man da die Figuren? Und schon sind wir auf der inhaltlichen Ebene. Dort geht es um den Spike-Lee-Thriller „Insight Man“. Der Film erzählt von einem Banküberfall, bei dem die Täter die Geiseln ebenso verkleidet haben wie sich selbst, damit die Polizisten durcheinanderkommen.

Im Theater werden wir also nicht nur nicht wissen, wer wen spielt, sondern auch nicht, wer ein wie guter Schauspieler ist, wenn überhaupt. Vielleicht bekommt man es ja auch nur mit einem unschuldigen Zuschauer mit Maske zu tun? Doch Vorsicht beim Maskieren! Wären in diesem Fall die zehn Euro, die man erst nach Absitzen des Theatererlebnisses ausgezahlt bekommt, in der Steuererklärung nicht als Gage zu deklarieren? Diese und andere Fragen können in den Publikumsgesprächen nach den Vorstellungen gestellt werden. Bei zu wahrender Anonymität und freiem Eintritt.