Es gibt Pläne der ARD, die Verleihung des Medienpreises Bambi nicht mehr im Ersten übertragen zu wollen.
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Kommenden Sonntag wird der Zeitschriftenverleger Hubert Burda („Bunte“, „Focus“) 80 Jahre alt. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sickert durch, dass die ARD die Verleihung des Medienpreises Bambi nicht mehr im Ersten übertragen will. Das dürfte dem Patriarchen gar nicht gefallen. Denn der Tanz um das goldene Rehlein ist das Hochamt des Hauses Burda – eines, mit einem nicht unerheblichen PR-Effekt.

Ob es zum Auftrag der ARD gehört, die Öffentlichkeitsarbeit privater Zeitschriftenverlage zu unterstützen, ist schon seit längerem fraglich. Doch nicht inhaltliche Gründe sollen den Ausschlag für Bambis Fernsehaus gegeben haben. Es lag wohl am Geld. „Die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt nicht mehr“, sagt ein ARD-Hierarch, der mit der Sache vertraut ist. Konkret: Die Produktion der Bambi-Gala soll die ARD mehr als eine Million Euro kosten. Für diesen Preis bekommt man bereits eine „Tatort“-Folge. Die Quote der Verleihung hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. 2019 sahen sie 3,4 Millionen Zuschauer. Ein durchschnittlicher „Tatort“ kommt auf ein mehr als doppelt so großes Publikum.

Die Entscheidung über das Bambi-Aus im Ersten trafen die Fernsehdirektoren der ARD-Anstalten zusammen mit ARD-Programmdirektor Volker Herres bereits Ende vergangenen Jahres. „Der Vertrag ist 2019 ausgelaufen; in der ARD gab es ein Votum, keinen neuen Vertrag zu schließen“, sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. „Wir wünschen dem Bambi alles Gute!“

Es gibt Unwägbarkeiten

Dieser Beschluss ist an sich bindend. Und doch es gibt Unwägbarkeiten: Die ARD-Intendanten könnten noch intervenieren. Das haben sie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal getan: Vergangenen Spätsommer wollten die Programmdirektoren den „Weltspiegel“, das Auslandsmagazin des Ersten, auf einen schlechteren Sendplatz verschieben. Damit lösten sie einen Aufschrei aus. Auch namhafte ARD-Journalisten protestierten. Ende November kippten die Intendanten die Entscheidung ihrer Programmdirektoren wieder.

Auch gegen die bevorstehende Bambi-Absetzung gibt es Widerstand im Intendantenkreis: MDR-Intendantin Karola Wille soll gegen das drohende Aus für das güldene Reh Sturm laufen. Ihre Anstalt ist verantwortlich für die Produktion der Gala. Doch wie weit reicht ihr Einfluss? Auf der Agenda der Intendantensitzung kommenden Dienstag und Mittwoch in Köln steht Bambi jedenfalls nicht. Allerdings könnte die Sächsin ihr Anliegen beim Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ anbringen.

„Bambi wird es immer geben“

Zumindest bei Burda hat man die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: „Bambi ist keine TV-Sendung, sondern der wichtigste Medienpreis in Europa,“ sagt der für nationale Medienmarken verantwortliche Vorstand Philipp Welte. „Wir arbeiten jetzt seit über 20 Jahren vertrauensvoll mit der ARD zusammen, aber völlig unabhängig davon, wie die ARD sich entscheidet: Bambi wird es immer geben“.

Das war bei der von der Funke Mediengruppe („WAZ“, „Hörzu“) verliehenen Goldenen Kamera anders: 2019 beschloss Funke, die Verleihung des Medienpreises nicht mehr durch das ZDF übertragen zu lassen. Seither gibt es ihn gibt es de facto nicht mehr.  

Zum Autor

Kai-Hinrich Renner ist einer  der bekanntesten Medienjournalisten Deutschlands. Seine „Medienmacher“-Kolumne, in der er immer wieder Exklusives aus der deutschen Medienbranche berichtet, wird in der Branche gleichermaßen respektiert wie gefürchtet.