Sieh an, da ist sie wieder. Zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten war am Montag die allenthalben umschwärmte R’n’B-Debütantin Banks in Berlin zu erleben. Im Herbst hatte sie in der Berghain Kantine erstmals einige Songs aus ihren ersten EPs vorgestellt und den Leuten versprochen, dass sie bald ein ganzes Album herausbringen werde. Seither sind der Winter und das Frühjahr vergangen, und die Platte ist immer noch nicht erschienen.

Wie es bei Debütwerken junger R’n’B- und HipHop-Künstlerinnen üblich geworden ist – insbesondere wenn sie bei Universal Music unter Vertrag stehen –, wurde die Fertigstellung wieder und wieder verschoben, weil die Sängerin und ihre Produzenten, die Plattenfirma und die Marketingfachkräfte sich über die Details nicht einigen konnten. Derzeit ist der kommende September als Veröffentlichungstermin angepeilt: Dem sehen wir mit Interesse entgegen.

Wie ein erzürntes Fledermaustier

Es hat sich seit dem letzten Herbst also nicht viel getan in der Karriere von Banks, und dennoch scheint sich ihr Publikum inzwischen vervielfacht zu haben; das große Haus des Berghain war am Montag jedenfalls ausverkauft. Die Bewegungsfreiheit auf der großen Bühne tat ihr sichtlich gut: Während sie weiland in der Kantine beim Singen noch auf einem Barhocker kauerte sowie sich unter einem unvorteilhaften Schlapphut versteckte, zeigte sie diesmal gern ihr Gesicht und flatterte wie ein heiteres, manchmal auch trauriges oder erzürntes Fledermaustier zwischen ihren beiden Mitmusikern umher. Allerdings hatte das Management von Banks inzwischen beschlossen, dass die Künstlerin bei Konzerten nicht mehr fotografiert werden darf; deswegen drucken wir an dieser Stelle einfach noch einmal ein Bild ihres ersten Auftritts. Mit Hut.

Zerpuffte Spannung

In musikalischer Hinsicht wirkte das Konzert weit fokussierter als jenes im Herbst. In den Studioaufnahmen leben die Songs von Banks ja vom Widerspruch zwischen dem konventionell-soulhaften Gesang und den avantgardistisch verfitzelten, oft auch stotternden und stolpernden Beats. Was sich zur Darbietung mit einer Live-Band nicht unbedingt aufdrängt. Deshalb hatte sie diese Eigentümlichkeiten in der Kantine auch noch einer klassischen Soulballaden-Pop-Ästhetik geopfert. Am Montag folgten die Arrangements nun weit stärker den Vorgaben der elektronischen Produktion. Wesentlich druckvoller und interessanter wirkte dadurch das gesamte Konzert; und weil sie durch die Dominanz der Beats davon entlastet war, mit ihrem Gesang die Stücke zusammenhalten zu müssen, konnte Banks origineller und virtuoser extemporieren.

Ob sie lieber Underground oder Mainstream sein will, weiß sie indes immer noch nicht. So lebt die Dramaturgie ihrer Lieder nicht von der steten Steigerung, sondern von retardierenden Momenten; die stärksten Effekte erzielt Banks, wenn sie mit voller Intensität in eine gerade zerpuffte Spannung hinein singt. Ihre Bühnengestik läuft dem aber komplett entgegen. Darin wirkt sie schon jetzt, als ob sie ein ganzes Stadion aufputschen wolle. Immer wieder wedelte Banks auch mit den Armen – und ihre Zuhörer wedelten mit: ein scheußliches Bild, das ich im Berghain noch nie gesehen habe und niemals wiedersehen will.