Das Gemälde „Mediterranean Sea View 2017“ des Künstlers Banksy.
Foto: dpa/Aaron Chown

BerlinKunst und Politik sind wie zwei verlegen im Raum stehende Partygäste, die zwar wissen, dass sie kein perfektes Paar abgeben, aber dennoch nicht voneinander lassen können. Wo sie sich treffen, ist nicht leicht zu ermitteln. Kunst darf sich nicht in Dienst der Politik stellen – so lautete die philosophische Mahnung an die ästhetische Autonomie. Gleichzeitig wirkt Kunst, die gar keinen Bezug auf den politischen Zeitgeist zulässt, kraftlos und altmodisch.

Der britische Künstler Banksy gehört seit Jahrzehnten zu denen, die den Treffpunkt zwischen Kunst und Politik immer wieder neu justieren. Seine ikonischen Graffitis sind oftmals als antifaschistische oder konventionskritische Botschaften lesbar. Sie finden sich auf der israelischen Sicherheitsmauer genauso wie auf Straßenzügen, Brückenunterführungen oder U-Bahn-Abteils in den Großstädten der Welt.

Palästinensische Klinik profitiert vom Erlös

Zugleich sind Banksys Werke aber längst nicht mehr nur im öffentlichen Raum zu Hause. Auf einer Auktion des renommierten Auktionshauses Sotheby’s in dieser Woche zählte Banksy – neben Urgesteinen des Barock wie Rembrandt – zu den Künstlern, die den End-Auktionswert (fast 200 Millionen Dollar) deutlich nach oben trieben. Banksys versteigertes Werk „Mediterranean Sea View 2017“ ist ein dreiteiliges Gemälde, das eine Küste mit angespülten Rettungswesten zeigt – ein Wink auf die Flüchtlingskatastrophe, die sich in den letzten Jahren im Mittelmeer ereignete sowie auf die teilweise Untätigkeit europäischer Länder. Auf der Sotheby’s-Auktion brachte das Triptychon mehr als 2,2 Millionen Pfund (über 2,4 Millionen Euro) ein.

Aber Banksy wäre nicht Banksy, würde er diesen Sensationswert selbst nicht wieder in einen politischen Akt ummünzen: Die Einnahmen gehen jetzt an eine palästinensische Klinik im Westjordanland. Aufgebaut werden soll ein Zentrum für akute Schlaganfälle und für die Rehabilitation von Kindern. Wer wäre Banksy also im Bild der Party? Vielleicht ein schillernder Gastgeber, der die Kunst galant mit der Politik bekannt macht.