Sie war nicht die erste Frau in diesem Metier, aber vielleicht die energischste und rebellischste: Barbara Plensat.
Foto: Gregor Baron

BerlinDas unter ihrem Charme lebendige Interesse am Gegenstand ist Barbara Plensats entscheidende Treibladung. Ohne die hätte sie die 300 Hörspielinszenierungen nicht in die Welt setzen können – nicht für den Rundfunk der DDR und nicht bei RBB, MDR und Deutschlandradio.

Als sie dreißigjährig Ende der 60er-Jahre ihre Laufbahn als Hörspielregisseurin begann, war dieses Gewerk bei ARD und DLF noch eine ausschließliche Männerangelegenheit. Im Funkhaus in der Ostberliner Nalepastraße dagegen war sie damals beileibe nicht die erste Frau in diesem Metier, gab es mit Ingeborg Milster, Flora Hoffmann oder Maritta Hübner eine ganze Reihe von inszenierenden Frauen.

Von der Studiotechnik-Assistentin zur Frau am Regiepult

Barbara Plensats Energie, ihr Ehrgeiz und ihr rebellisches Berliner Temperament ließen sie bald zu einer gefragten Frau am Regiepult werden – für eine ehemals bei der Deutschen Post angestellte parteilose Studiotechnik-Assistentin ein bemerkenswerter Quantensprung. Hörspiele von Helmut Bez, Hans-Jörg Dost oder Gisela Steineckert zu inszenieren, waren Herausforderungen auf hohem Niveau.

Erst recht Funkbearbeitungen der Werke von Diderot, Lenz, Brecht, Heinrich Mann oder von Carson McCullers. Mit ihrem Mentor, Günter Rücker, zeichnete Barbara Plensat schließlich gemeinsam für die Inszenierung von Wolfgang Kohlhaases „Die Grünstein-Variante“ verantwortlich, für die 1977 in Venedig zum ersten und einzigen Mal der Prix Italia einer Hörspielproduktion aus der DDR zuerteilt wurde.

Frech, verschmitzt und sperrig

Mit welchen der jährlich 300 im Bereich Funkdramatik entstehenden Produktionen man betraut wurde, war eine Frage von Interesse und Temperament. Es konnten kunstvoll drapierte Cremetorten sein oder einfache Graubrote, die man in den beiden, im Drei-Schicht-Betrieb arbeitenden Hörspielstudios in der Nalepastraße zu backen hatte. Barbara Plensat konnte beides, und versah die Graubrote, die das Gros des Spielplans ausmachten, mit Rosinen und Gelee-Einsprengseln.

Das waren Hörspielmusiken von Komponisten wie Reiner Bredemeyer oder Hermann Keller; waren Ausbrüche aus den zwar genial gebauten, aber auf die Dauer aseptisch wirkenden Studioakustiken in die Unwägbarkeit von Originalschauplätzen und waren Besetzungen mit erlesenen Darstellern von Dagmar Manzel bis Jürgen Holtz.

Barbara Plensat war frech, verschmitzt und sperrig, dennoch konnte sie sich darauf verlassen, dass ihr, wenn sie ein Manuskript ablehnte zu inszenieren, dies nicht nachgetragen werden würde. Sie war fest angestellt, neue Aufträge würden kommen. Sie hat ins Finnische, Tschechische oder Griechische übersetzte DDR-Hörspiele in Helsinki, Prag und Athen inszeniert. Das waren oft sprachliche Blindflüge, die enormes Einfühlungsvermögen verlangten.

Sie hatte sich einen Namen gemacht

Als für das Ost-Hörspiel im Dezember 1991 der allerletzte Vorhang fiel, war sie 52 Jahre alt und hatte glücklicherweise einen Namen in der gesamtdeutschen Radioszene. Vieles in Frankfurt, Saarbrücken oder in der Charlottenburger Masurenallee ähnelte dem schließlich sterbenden Studiobetrieb in Oberschöneweide. Nur war man jetzt gut beraten, besser kein Regieangebot mehr abzulehnen. Denn danach, so musste sie bald erfahren, kam nun kein weiteres mehr.

Hörspiele von Irina Liebmann, Rolf Schneider, Volker Braun wie auch von Ingomar von Kieseritzky oder Jakob Hein waren und sind es, die Barbara Plensat bis in die heutigen Tage beschäftigen und die sie mit ihrer Regiearbeit versehen ans Publikum entsendet.

Eine Frau, die fünfzig Jahre lang erfolgreich Hörspiele inszeniert, gibt es in der deutschsprachigen Arena nur diese einzige – Barbara Plensat.

Eine Regiearbeit von Barbara Plensat

... strahlt RBB-Kultur am Freitag, 13. Dezember um 22.04 Uhr aus: „Die 14. Provinz“ von Volker Braun, Mit Angela Winkler, Götz Schulte, Jutta Wachowiak