Eine Frau, die ihre Überzeugungen lebte: Barbara Rütting.
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BerlinMit hrer weißhaarigen Bubikopf-Frisur erhielt sie sich eine jugendliche Erscheinung bis ins hohe Alter. Dabei war die 1927 in Berlin geborene Barbara Rütting in jungen Jahren eine dunkle Schönheit, die bald die Aufmerksamkeit der Filmproduzenten der Nachkriegszeit weckte. Sie debütierte 1952 in dem Film „Postlagernd Turteltaube“ unter der Regie von Gerhard T. Buchholz. Der Film spielt, ohne es zu benennen, im geteilten Deutschland, dessen ideologische Kampflinien sich auch durch die Familien der Protagonisten zogen. 

Nicht einmal ein Jahr später stand Barbara Rütting dann in einem der wichtigsten Filme der deutschen Nachkriegsgeschichte vor der Kamera. An der Seite von Maria Schell, Bernhard Wicki und Tilla Durieux verkörperte sie die kühle Partisanin Militza in Helmut Käutners Kriegsdrama „Die letzte Brücke“. Das „Lexikon des internationalen Films“ bemerkte, der darstellerisch und formal anspruchsvolle Film appelliere eindringlich an die Versöhnlichkeit.

In der Wahl ihrer späteren Filme war Rütting dann aber weniger anspruchsvoll. Sie wirkte mit in Heimatfilmen wie „Geierwally“ oder auch in „Der Zinker“, einer Krimiverfilmung nach Edgar Wallace. Lauter Arbeiten, die auf skurrile Weise auch die künstlerische Stagnation des deutschen Unterhaltungskinos verkörperten.

Quirlig und experimentierfreudig

Barbara Rütting hielt sich aber mit derlei Fragestellungen nicht auf, sondern gab sich ungebremst der Vielfalt ihrer Talente hin. Vom Kino hatte sie sich weitgehend emanzipiert. Ihr erster Roman mit dem Titel „Diese maßlose Zärtlichkeit“ erschien 1970, und als Sachbuchautorin legte sie später eine Vielzahl von Kinderbüchern, Ratgebern und Kochbüchern vor.

Barbara Rütting war experimentierlustig nicht nur in den künstlerischen Ausdrucksformen. Als in der Bundesrepublik der 70er-Jahre die basisdemokratischen Bewegungen blühten, engagierte sich Rütting auch hier, trat ein für Menschenrechte, Umwelt- und Tierschutz. Sie war eine Veganerin der ersten Stunden schrieb darüber. 1984 wurde sie bei den inzwischen historischen Mutlangen-Protesten, die sich gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen richteten, neben vielen anderen Prominenten vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen.

Als Politikern wurde Barbara Rütting 2003 und 2008 für die Grünen in den bayerischen Landtag gewählt. Bald kehrte sie der Ökopartei jedoch den Rücken und kandidierte bei der Bundestagswahl 2017 für die V-Partei, in der sie ihre Nahrungsgewohnheiten auch politisch verkörpert sah. Mit ihrer quirligen, nie verbitterten Art, für ihre Überzeugungen einzutreten, war Barbara Rütting auch Gast in nahezu allen deutschen TV-Talk-Shows. Am Donnerstag ist sie im Alter von 92 Jahren im fränkischen Marktheidenfeld gestorben.