Barbara Schöneberger
Foto: Berliner Zeitung/Christian Schulz

BerlinBarbara Schöneberger moderiert Fernsehsendungen und Galas, sie macht Radio, gibt ein Magazin heraus, das ihren Vornamen trägt, sie singt, macht Werbung. Zu unserem Gespräch, das wir führen, weil sie am 12. November 2020 in der Verti Music Hall ihr Konzert „Alles Gute und so weiter“ spielt, wird dem Fotografen und mir Speiseeis angeboten, denn in Eis macht die geschäftstüchtige Berlinerin nun auch. 

Das Bild, das man leicht von ihr bekommt, würde sie gern korrigieren: „Alle vermuten hinter mir und meiner harmlosen Fassade die knallharte Geschäftsfrau, die bereits morgens um 7 in wichtigen Powerpoint-Präsentationen irgendwelche Entscheidungen fällt. So ist es nicht. Mein Telefon ist immer auf leise gestellt, ich kriege maximal 12 E-Mails am Tag, davon sind drei von irgendwelchen Einrichtungshäusern, die Werbung machen wollen.“

Ich arbeite wie eine Schülerin einen Stundenplan ab, den ich mir zwar selber eingebrockt, aber den ich mir nicht selbst erstellt habe.

Barbara Schöneberger

Sie ist fleißig, aber weder Treibende noch Getriebene: „Ich arbeite wie eine Schülerin einen Stundenplan ab, den ich mir zwar selber eingebrockt, aber den ich mir nicht selbst erstellt habe. Ich habe in der Regel von allen Menschen, mit denen ich zu tun habe, die meiste Energie.“ Ihre vielen Jobs kann sie gut begründen: „Wenn ich nur Fernsehmoderatorin geblieben wäre, dann wäre ich Befehlsempfängerin und total abhängig von grauen Eminenzen in dunklen Anzügen, die mir Jobs zuteilen. Davon wollte ich mich nicht so gerne abhängig machen. Ich arbeite einfach gerne.“ Und richtig viel. Wie es dazu kommen konnte, ist ihr selbst schleierhaft: „Ich weiß es nicht mehr. Und ich weiß auch nicht, ob ich es wieder so hinkriegen würde. Für meine Empfindungen habe ich gar nichts gemacht, es ist so passiert.“ Eine Erklärung hat sie aber doch: „Mach viele Sachen, wo du viele Menschen triffst, dann ist immer einer dabei, der glaubt, du kannst was und der dich eine Stufe höher hebt. Wenn du dich immer weiter drehst, dann passiert auch was.“

Ich bin keine Chefin, ich hasse das, deshalb habe ich auch nie eine Firma gegründet.

Barbara Schöneberger

Wer oft erlebt hat, wie Barbara Schöneberger jedes Publikum in wenigen Momenten auf ihre Seite zieht, erkennt irgendwann den Trick. Sie fängt immer mit Witzen an und die gehen immer auf ihre eigenen Kosten: „Das hat mir Thomas Hermanns vor 20 Jahren gesagt: Sprich aus, was alle denken. Und das ist fast der wertvollste Tipp, den ich in meiner ganzen Karriere bekommen habe. Er hat gesagt: Die Leute sehen dich rauskommen und alle haben das Gleiche im Kopf: Gabs das Kleid auch in ihrer Größe? Oder: Warum macht sie das, sie kann es eigentlich ja nicht so gut. Und wenn du das gleich aussprichst, dann hast du die sofort.“ Eine Bezeichnung weist die Moderatorin und Sängerin immer weit von sich: „Ich bin keine Chefin. Wenn hier jemand der Chef ist, dann meine Managerin. Die scheißt mich auch regelmäßig zusammen. Ich bin keine Chefin, ich hasse das, deshalb habe ich auch nie eine Firma gegründet.“

Wer Barbara Schöneberger bucht, der bekommt das Rundum-sorglos-Paket: „Ich habe meinen Autor Christof Mannschreck und meinen Visagisten Matthias, die Claudi macht mein Management, ich habe eine Schneiderin, die näht mir meine Kostüme auf den Leib.“ Gerade die eigene Schneiderin ist praktisch: „Ich muss nicht mehr irgendwohin und fragen: Haben sie was in Größe 38 mit langen Armen und in der Taille eng? Ich sage jetzt einfach: Ich brauche vier Outfits für den Herbst, dann näht sie mir das und das kommt dann mit dem Taxi nach Hause. Dafür muss sie mich nicht mal ausmessen. Das nimmt viel Stress.“

Barbara Schöneberger moderiert gefühlt alles

Barbara Schöneberger liebt ihr schönes Leben, muss aber ständig etwas dafür tun: „Ich habe so eine calvinistische Arbeitsethik, dass ich es ganz schlecht aushalten kann, Dolce Vita zu leben, wenn ich nicht auch hart dafür arbeite. Das könnte ich dann nicht so gut genießen.“ Preisverleihungen, Benefizgalas, Sponsorenbeweihräucherungen – Barbara Schöneberger moderiert gefühlt alles. „An so einem Abend beim Goldenen Lenkrad oder beim GQ Award, da kann ich unter Beweis stellen, dass ich den Job zu Recht mache. Das muss ich vor mir selber auch immer wieder rechtfertigen. Und bei den Gesangsshows beweise ich mir selbst, es ist auch weiterhin ok, mich Entertainerin zu nennen.“

Wobei sie zugibt, dass sie sich eine andere Gesangsstimme wünscht: „Ich hätte gern eine Charakterstimme, eine dreckige Soulstimme.“ Es gibt da ein Vorbild: „Ich wäre gerne Beyoncé. Der folge ich bei Instagram und schaue mir ihre Auftritte an. Wenn man sich das einmal angekuckt hat, dann kann man eigentlich nicht mehr auf die Bühne gehen. Aber ich mache es dann trotzdem und greife alle die ab, die keine Karten für Beyoncé gekriegt haben.“