Von links: Oliver Reese, Intendant vom Berliner Ensemble, Barrie Kosky, Regisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin und Dirigent Adam Benzwi.
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Berlin"Wir sitzen hier nicht, weil wir die Intendanzen tauschen werden", sagte Oliver Reese am Montag bei der Pressekonferenz im Berliner Ensemble, während er sich seinem Nebensitzer und Intendantenkollegen Barrie Kosky von der Komischen Oper zuwandte. "Und wir müssen heute auch das B-Wort sagen." B wie Brecht, und die wirklich sehr gute und auch wieder so naheliegende Nachricht, die er dann präsentierte, ist, dass Barrie Kosky am Schiffbauerdamm und mit dem Ensemble des Hauses eine neue "Dreigroschenoper" inszenieren wird. 

Erst die fünfte "Dreigroschenoper" am  historischen Ort

Die Premiere wird am 29. Januar 2021 sein, zweiundneunzigeinhalb Jahre nach der Uraufführung des "Stückes mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern" von Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill. Das Dirigat übernimmt der Pianist Adam Benzwi, der auch musikalischer Leiter des Studienganges Musical an der Universität der Künste und auf Musicals aus den 1920er- und 1930-Jahren spezialisiert ist und schon mehrfach mit Barrie Kosky an der Komischen Oper zusammengearbeitet hat. Als Bühnenbildnerin ist Rebecca Ringst dabei, ebenfalls eine längerjährige künstlerische Partnerin von Kosky.  

Es handelt sich um die erst fünfte "Dreigroschenoper" an diesem Ort, rechnete Oliver Reese vor. Die erste, inszeniert von Erich Engel (1891-1966), lief bis zu ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Die zweite wurde, ebenfalls von Erich Engel, 1960 inszeniert,  die dritte 1981 von Manfred Wekwerth (1929-2014), und die vierte ist die von Robert Wilson, die 2007 in der Intendanz Peymann am Berliner Ensemble Premiere hatte und noch immer läuft. 

Kurt Weill ist einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts

Barrie Kosky

Wie Barrie Kosky am Montag sagte, gehört Kurt Weill zu seinen fünf Lieblingskomponisten, und er verriet auch schon ("meine Marketingabteilung wird mich hassen"), dass es zeitgleich zur Premiere der "Dreigroschenoper" einen Kurt-Weill-Schwerpunkt an der Komischen Oper und noch einer anderen Berliner Institution geben würde. "Mit seiner musikalischen Radikalität ist er einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Es ist überhaupt nicht wahr, dass er nach der Zusammenarbeit mit Brecht nichts mehr geleistet hätte." 

Zunächst aber steht weiterhin die Wilson-Inszenierung auf dem Spielplan des Berliner Ensembles; die nächsten Aufführungen finden von  7. bis 9. Februar statt.