Basteln: Heute mit: Maria Simon

Es gibt genug Gründe, die Welt zu retten. Für die Liebe. Der Kinder wegen. Weil es für ein gutes Gefühl sorgt. Oder auch weil man, ganz egoistisch gesprochen, wissen will, dass nicht alles umsonst war. Das Kämpfen für Werte. Auch für die Kunst. Die Kultur. Ach.

Das alles und nicht viel weniger soll Thema sein für die Bastelstunde mit der Schauspielerin und Rockmusikerin Maria Simon. Es war ihr Vorschlag, etwas für den Weltfrieden zu basteln, ein Mobile mit Origami-Tierchen vielleicht, Hauptsache etwas für den Weltfrieden. Nordkorea rüstet auf, wir rüsten um! Schließlich werden wir das Werk am Ende der Serie versteigern und warum sollten wir dafür nicht gleich in die Vollen gehen? Der lange Winter ist vorbei! Sonne, Licht!

Ich hatte schon das große Materialpaket geschnürt, um ihr nach Pankow entgegenzueilen; es entstand die Idee, das Ganze nach draußen zu verlagern, weil die Kunst manchmal auch unbedingt raus muss, zu den Leuten, in die Öffentlichkeit, in den Park!

Dann aber haben die Lehrer meines Sohnes beschlossen zu streiken, auch ein ewiger Kampf. Der langweilte sich nun offensiv zu Hause auf dem Sofa und wollte partout nicht nach draußen, um den Weltfrieden voranzutreiben. So musste ich den Termin also hierher nach Prenzlauer Berg verlagern. Aber so spontan muss ein Revoluzzer sein, das findet auch Maria Simon und freut sich über das Glas Leitungswasser (keinen Kaffee!) und die Strahlesonne im Fenster. Als sie mir so entspannt gegenüber sitzt, wird mir klar, dass sie tatsächlich die erste Frau in meiner Serie ist. Als Mutter von drei Jungs und einer kleinen Tochter kommt sie so gut wie nie zum Basteln, zumal sich in der Familie auch niemand dafür interessiert.

Ihr Alltag ist vollgepackt: Beruf, Schulfragen, Proben mit der eigenen Band „Ret Marut“, die sie mit ihrem Mann, dem Schauspieler Bernd Michael Lade, bestreitet. Alles andere ist da irgendwie Luxus, also auch die zwei Stunden mit all den schönen Kreativideen, die ich gesammelt habe.

Die Taube etwa galt in der vorbiblischen Zeit als Symbol für Fruchtbarkeit und Erotik. Sie versöhnte den Mann-Frau-Dualismus miteinander und vereinte überhaupt alle Gegensätze! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wenn man an das Image denkt, das die sogenannte Ratte der Lüfte inzwischen hat. Ganz zu schweigen von all den eingemotteten Jutebeuteln, die das blau-weiße Friedenstaubensymbol zierte: Man fragt sich schon, wo die Friedensbewegung denn abgeblieben ist. Wen schert das heute denn noch?

Maria Simon ergreift sofort Partei und beginnt motiviert, einen Kreis zu zeichnen. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie noch nicht genau weiß, wie so ein Vogel aussieht. Aber eine Vorlage will sie nicht, stattdessen lässt sie sich vom Nebeneinander der Gegensätze inspirieren − das wiederum nimmt sie zum Anlass, ganz viel von ihrer Familie zu erzählen.

Überhaupt kommen wir schnell vom Weltharmoniethema ab, und Maria Simon erzählt, dass sie wegen dieser ewigen Egotrips der Gesellschaft angefangen hat, Aikido zu trainieren. Das erscheint ihr viel sozialer als Yoga zu praktizieren, wo sich jeder im Grunde nur mit sich selbst beschäftigt. Als würde er lauschen, kommt mein Sohnemann mit zwei selbstgemachten Lego-Portraits von sich und mir hereinspaziert und fragt nach, ob er denn mitbauen dürfe. Schließlich wollten wir doch auch einen Origami-Kranich basteln, erinnert er mich. Oder Fernsehen. Das würde er stattdessen auch. Aber klar doch. Maria Simon kennt das. Sie selbst hält ihre Kinder bei Laune, indem sie immer mehr Geräte abschafft. Kürzlich den Geschirrspüler. Den brauche man nicht, ihr großer Sohn würde gern Abspülen.

Man kommt schon ins Grübeln beim Basteln für den Weltfrieden. Dabei verliert man beinahe die überzeugende Schlichtheit aus den Augen, mit der Maria Simon ihre Erdkugel pinselt und den roten Mamavogel drüber setzt. Damit auch mein Nachwuchs beruhigt ist, bauen wir einen Zusatzvogel, den Maria Simon mit der Frage beschriftet: „Kann Kunst die Welt retten?“ Dann wird er wie eine Flaschenpost draußen an den Baum gehängt. Dort flattert er zwei Tage lang, dann ist er weg. Abgeflogen.