Florian Pronold kann, so der Brief mit 400 Unterschriften, keine der geforderten fachlichen Kompetenzen vorweisen. 
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BerlinDie Causa Florian Pronold (SPD) als möglicher erster Direktor der Bundesstiftung Baukultur schlägt immer höhere Wellen (siehe Berliner Zeitung vom 20.11.). Unter Architekten und sonstigen Planern gilt es zwar als höchst unklug, öffentlich politische Position zu beziehen. Schließlich könnten künftige Auftraggeber vor den Kopf gestoßen werden. Dennoch haben inzwischen mehr als 400 Architekten, Kulturmanager, Ausstellungsgestalter, Denkmalpfleger, Künstler, Fachautoren, Museums- und Archivleiterinnen in einem „Offenen Brief“ energisch gegen Pronolds Berufung protestiert.

Die (noch) fehlenden Unterschriften kann man schnell identifizieren als diejenigen von Personen, die durch eigene Bewerbung befangen sind, oder von Institutionen, welche künftig eng mit der Bauakademie kooperieren wollen – insofern ist die Unterschrift von Christine Edmeier für die Berliner Architektenkammer übrigens eine ausgesprochene Sensation.

Es habe „wesentlich kompetentere“ Kandidaten gegeben

Der Jurist Pronold, bayerischer SPD-Bundestagsabgeordneter seit 2009 und Staatssekretär im Umweltministerium, könne, so der Brief sachlich korrekt, „keine einzige der geforderten fachlichen Kompetenzen“ vorweisen. Es habe „wesentlich kompetentere“ Kandidaten und Kandidatinnen gegeben, die Auswahlkommission sei von Politikern dominiert worden, die vorher eng mit Pronold zusammengearbeitet haben.

Zwar sind bei der Berufung von Spitzenpositionen auch im Kulturbereich politische Gesichtspunkte demokratiemethodisch durchaus sinnvoll: Die Parlamente als Wahrer von Bürgerinteressen wollen mitsprechen. Doch eigentlich immer wird auch auf Eigenkompetenz als Historiker, Künstler, Archäologe etc. geachtet.

Politiker können zwar – Pronolds Karriere zeigt das – eines mit Sicherheit: Netzwerke spannen und sich schnell in neue Themen einarbeiten. Aber danach wurde in der Ausschreibung nicht gefragt, stattdessen eine Doktorarbeit gefordert. Solche Bedingungen, selbst wenn sie unsinnig sind, jetzt nonchalant beiseitezuschieben, nur um den SPD-Mann Pronold berufen zu können, ist den anderen Bewerbern gegenüber schlichtweg unfair.

Das Verfahren muss neu aufgerollt werden

Und es ist kurzsichtig: Wenn die Bundesstiftung Bauakademie eine gesellschaftliche Bedeutung erhalten soll, wie sie etwa die Architekturzentren in Paris, Rotterdam, London oder Kopenhagen haben, muss sie maximal autonom agieren können. Doch würde sie das unter einem so ausschließlich politisch berufenen Direktor Pronold tun können?

Der Bau des Berliner Museums der Moderne mitten auf dem Kulturforum gegen den Rat fast aller Fachleute und sogar gegen die noch 2013 ausdrücklich formulierte Auffassung der Museen, dass dies der schlechteste Standort sei, aber im Interesse der Politik ist da ein Menetekel.

Kurz: Das Verfahren muss neu aufgerollt werden. Im Interesse der anderen Bewerber und vor allem der Bauakademie selbst, die sonst wohl immer als Lame Duck am Gängelband des Bundestags gelten würde.