Florian Pronold gibt für die Bauakademie seine politischen Posten auf.
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BerlinGesucht wurde der erste Direktor oder die erste Direktorin der neuen Bauakademie-Stiftung. Gefordert waren laut Ausschreibung ein „für die Themen der Bauakademie relevantes Hochschulstudium“, Promotion oder Habilitation, „Ansehen (...) in der Welt des Bauens“ , die Einbindung in „nationale und internationale Entwicklungen und Debatten“ sowie große Erfahrung in der Arbeit für „Museen, Ausstellungen, Festivals, Konferenzen.“

Es muss viele exzellente Bewerbungen gegeben haben, das ergeben einige Telefonanrufe. Aber der Job ist vergeben: An Florian Pronold, Staatssekretär im SPD-geführten Bundesumweltministerium und einer der wenigen SPD-Bundestagsabgeordneten aus Bayern, hat ihn bekommen.

Florian Pronold ist auch Staatssekretär

Von Erstaunen in der Fachwelt zu sprechen, wäre grob untertrieben. Der 46-Jährige war Staatssekretär im Bundesbauministerium und ist noch Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Er ist politisch exzellent vernetzt. So hat Pronold sich mit dem einflussreichen Hamburger SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs heftig für das Wiedererstehen der Schinkel’schen Bauakademie am Kupfergraben eingesetzt: 2016 wurden in einer der berüchtigten „Bereinigungssitzungen“ des Ausschusses urplötzlich 62 Millionen Euro dafür bereitgestellt.

Anne Katrin Bohle, CDU, derzeit Baustaatssekretärin und Mitglied der Findungskommission, konstatierte also zu Recht, die Bauakademie sei ein „Herzensanliegen“ Pronolds. Sie sei der Kern seiner Karriereplanung. Er sei sogar bereit, seine politischen Posten aufzugeben – offenbar gilt das im politischen Berlin nicht mehr als selbstverständlich und wird gelobt.  

Florian Pronold: Kein Architekt, Stadt- oder Regionalplaner

In der Findungskommission saß wortwörtlich niemand, der sich aus eigener Erfahrung mit Architektur- und Planungszentren auskennt. Aber solche Kenntnisse waren offenbar auch gar nicht nötig. Pronold nämlich ist Jurist, kein Architekt, Stadt- oder wenigstens Regionalplaner. Er hat ausweislich des Katalogs der Deutschen Nationalbibliothek nicht publiziert, hat keinerlei akademische Meriten, ist nicht durch Ausstellungen, Bücher oder Konferenzen zum Thema Bauen im breitesten Sinn aufgefallen.

Dafür war er allerdings 2018 als Staatssekretär Jury-Vorsitzender im internationalen „Programmwettbewerb“ für die zu gründende neue Bauakademie. Die mehr als 80 Einreichungen sind ein Katalog dessen, was heutzutage ein modernes Architektur- und Planungszentrum sein kann.

Florian Pronold kann Programm-Projekt 

Pronold kennt diese Vorschläge, er konnte sie nun für seine Bewerbung nutzen. Und er empfahl damals, als Juryvorsitzender, dass die künftige Leitung des Projekts unter den fünf ausgezeichneten Programm-Projekten selbst auswählen solle. Nun kann er selbst wählen − und jene Schinkel-Fassade nachbauen lassen, um die es dem Bundestag vor allem geht.