Alle danken allen. So viel Harmonie wie am Montag während des Richtfests für das Probebühnenzentrum des Deutschen Theaters herrscht selten auf Berlins Baustellen. „Der Rohbau ist fertig, das Dach ist dicht, der Zeitrahmen und die 12,5 Millionen Euro Budget werden eingehalten“, verkündet Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in der ersten Etage des noch fensterlosen, zugigen Betonrohbaus gemeinsam mit Kulturstaatssekretär Tim Renner. Hinter den Rednern flattern die rot-weißen Bänder des mächtigen Richtkranzes. Man mag die gute Nachricht kaum glauben.

Noch unwirklicher wird es, als der Vertreter des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner – ja, das sind die, die auch, mit weniger Erfolg allerdings, den Berliner Großflughafen geplant haben – gar von einem finanziellen Puffer spricht, der wohl übrig bleiben wird. Es geht also. Von der öffentlichen Hand geführte Bauvorhaben enden doch nicht zwangsläufig in einem finanziellen Desaster wie eben jener bereits genannte Großflughafen oder die Dauerbaustelle der Staatsoper Unter den Linden befürchten ließen. Das ist schön zu hören.

Fertig im Sommer 2015

Im Sommer 2015 soll das neue Probenzentrum in der Schumannstraße, gleich hinter dem Deutschen Theater, fertig sein. In drei Probebühnen für die drei Spielstätten des Deutschen Theaters können die Schauspieler dann die Stücke vorbereiten. Momentan müssen die Darsteller sowie Techniker, Tischler oder Beleuchter durch die Stadt zu angemieteten Ausweichquartieren pendeln.

Der reibungslose Ablauf der Bauplanung ist sicher auch Ulrich Khuon, dem Intendanten des Deutschen Theaters, zuzuschreiben. Ohne die Zusicherung dieses Neubaus wäre der Theatermann 2009 nicht vom Hamburger Thalia-Theater nach Berlin gewechselt. Das Projekt hatte Priorität von Anfang an. Dennoch war Khuon auch kompromissbereit. Auf ein anfangs geplantes Kellergeschoss wurde verzichtet, damit der Kostenrahmen eingehalten werden kann. Mögliche Schwierigkeiten durch Grundwasser oder sonstige Unwägbarkeiten im Untergrund konnten so vermieden werden.

Zunächst sah es auch so aus, als ob aus Geldknappheit nur zwei der drei Probenräume mit einer Drehbühne ausgestattet werden könnten. Der Freundeskreis des Theaters aber konnte 15000 Euro dafür einsammeln. „Das, was wir uns vorgenommen haben, haben wir auch hingekriegt“, kommentiert denn auch Ulrich Khuon das Bauvorhaben seines Hauses.

Von dem Fortschritt der Arbeiten können sich Besucher am ersten Sonntag im September überzeugen. Mitglieder des Ensembles werden an verschiedenen Orten im Rohbau Auszüge aus Wolfgang Herrndorfs Tagebuch „Arbeit und Struktur“ lesen.