Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele.
Foto: Nicolas Armer/dpa 

Katharina Wagner, Urenkelin des Musikdramatikers Richard Wagner und Leiterin der Bayreuther Festspiele, kehrt nach ihrer Genesung an den Schreibtisch zurück. Kurz nach der Absage der Festspiele in diesem Jahr war ein „längerfristiger Ausfall“ der 42-Jährigen angekündigt worden. In einem Interview erklärte die starke Raucherin, dass sie sechs Wochen im Koma lag, ihr Leben auf der Kippe stand, nun aber auch die Reha in Oberbayern abgeschlossen sei.

Man weiß bei Katharina Wagner nie so recht, woran man ist. Die Festspielchefin geriert sich bei Pressekonferenzen sehr heimisch und abgekocht – andererseits ist sie hier auch heimisch. Aber vieles von dem, was man von ihrer Arbeit mitbekommt, wirkt mit bedenklich heißer Nadel gestrickt. Das betrifft nicht nur das durchschaubare Provokationsgehabe ihrer eigenen Regiearbeiten. Es betrifft ihre Organisation. In diesem Jahr sollte ein neuer „Ring“ Premiere haben, als Regisseur war Valentin Schwarz vorgesehen. Aber der junge, noch weitgehend unbewährte Mann war die zweite Wahl nach Tatjana Gürbaca. Die hatte sich erfrecht, mehr als die zugestandenen Proben zu verlangen, und war damit aus dem Spiel. Solche Dinge passieren in Bayreuth zu oft.

Und offenbar ist es den Zuschauern auch nicht mehr egal, was ihnen geboten wird: Hauptsache Bayreuth. Der Mythos der siebenfachen Überbuchung ist längst entlarvt. Zu diesen Problemen gesellt sich nun die Schwierigkeit, für das sehr dicht in die Stuhlreihen gepackte Festspielpublikum im unklimatisierten Festspielhaus ein Hygienekonzept zu finden, um das Stattfinden der Festspiele 2021 zu sichern.

Der „Ring“ von Schwarz soll nun 2022 vorgestellt werden – immerhin genug Zeit für ein Konzept –, 2021 gibt es einen neuen „Fliegenden Holländer“. Katharina Wagner hat also noch mehr zu tun als vorher. Vielleicht drängt sich ein Zusammenhang zwischen ihrer geheimnisumwitterten Krankheit und dem bedenklichen Zustand der Festspiele zu Unrecht auf – aber man fragt sich schon, ob es außer den künstlerischen und organisatorischen Gründen jetzt nicht auch gesundheitliche gibt, eine neue Leitung für die Festspiele zu suchen.