Adam Horovitz, Mike D’Diamond und Adam Yauch (v.l.): die Beastie Boys.
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Berlin„Lieber ein Heuchler als ein Leben lang dieselbe Person!“ Dies sind die vielleicht schönsten Worte des kurzweiligen und bewegenden Films von Spike Jonze über die Beastie Boys. Adam „Ad Rock“ Horovitz antwortete auf diese Weise in den 90er-Jahren einem Journalisten, der die Aufrichtigkeit des Trios bezweifelte, als es sich für sexistische Tendenzen in der Frühzeit der Band entschuldigte – ein cooler Konter auf einen dummen Anwurf, der Treue zu sich selbst mit krustiger Verbohrtheit verwechselt.

Eine Dokumentation im engeren Sinn ist der Film nicht. „Beastie Boys Story“ zeigt einen Auftritt der nach dem Tod von Adam „MCA“ Yauch verbliebenen Beasties Ad Rock und Michael „Mike" D'Diamond. Die beiden hatten 2018 ein „Beastie Boys Book“ zusammengebaut, aber statt einfach daraus zu lesen, inszenierten sie es ein paar Abende lang in New York als Dialog vor schrillen und lauten Fotos, TV-, Video- und Konzertaufnahmen.

Wir folgen also – in einem coronatauglichen Mix aus Live-Event und Archivsamples – dem New Yorker Trio vom punkigen Schulhof-Scherz zu einer der erfolgreichsten HipHop-Crews der Achtziger, als erste und einflussreiche weiße Rapper, die wesentlich zum Erfolg des Genres beigetragen haben und die dann von ihren Förderern und Labelchefs Rick Rubin und Russell Simmons ganz traditionell übers Ohr gehauen wurden. Schließlich stolperten sie über den eigenen Hype, um im zweiten Anlauf auch künstlerisch noch erfolgreicher zu werden.

Charmant und schnell erzählt der Film von irr pubertären Ideen, wegweisenden Videos, sprungbereiter Musikalität: Ein wichtiges Kapitel Popgeschichte als Maßnahme gegen Langeweile, Stillstand und Resignation. Berührend gelingt Ad Rock und Mike D, Yauch als ständig anwesenden Dritten einzubinden, der sich zuverlässig unberechenbar ins Neue stürzte, vom Extremskifahren zum Kontakt mit dem Dalai Lama samt riesigem Tibet-Benefiz. Gegen Filmende sitzt Ad Rock, grauhaarig und beige, im Spot an der Kante vor der dunklen Bühne und erinnert sich ans letzte Konzert, an die letzte Show, an den Tod und muss ein paar Mal innehalten, damit ihm die Trauer nicht die (immer mal ironisierte) Teleprompter-Rede erstickt.

Dass sie diese Selbstgerührtheit als offenbar systemrelevant mit einplanen, gibt auch anderen betrübten und reuigen Stellen glaubhaftes Gewicht, ob sie sich an tote Jugendfreunde erinnern, ihre jugendliche Verschwendung lächerlich machen, sich für die Feigheit schämen, mit der sie aus geschäftlichen Gründen ihre erste Drummerin Kate Schellenbach auf der Strecke ließen. Oder für die Einfalt, mit der sie ihr Recht auf Party wie dumme Jungs ertrampelten.

Beastie Boys Story R: Spike Jonze. USA 2020. 120 Min. (Leider nur als Apple-Abo. Aber wofür gibt es die kostenlose Probezeit?)