Wie sieht eigentlich eine digitale Beerdigung aus? Diese Frage stellt man sich in Pandemiezeiten vermutlich häufiger. Verabschieden wollen sich schließlich alle, egal ob sie sich in einer Kapelle versammeln dürfen oder nicht. 

Als am Mittwochabend (deutsche Zeit) der amerikanische Hip-Hop Produzent Kasseem Dean das neue Album seines kürzlich verstorbenen Freundes Earl Simmons vorstellte, bekam man zumindest einen Eindruck davon, wie ein Online-Trauerritual aussehen könnte. Dean und Simmons wurden in den Neunzigern bekannt. Unter dem Namen Swizz Beatz produzierte Dean viele aufstrebende Rapper aus New York. Vor allem war er maßgeblich für den Sound Simmons verantwortlich, der als DMX Karriere machte.

Im April dieses Jahres wurde dann bekannt, dass Simmons einen Herzinfarkt nicht überlebte. Er starb mit 50 Jahren. Zahlreiche Menschen trauerten im Internet – vor allem Dean.

Das Album, das der Produzent in einem Zoom-Event für knapp 90 internationale Medien- und Musikschaffende zeigt, ist jedoch nicht aus dem Abschied heraus entstanden. Die Freunde hatten es bereits vor Simmons‘ Tod produziert.

Fast alle Helden des US-Hip-Hop sind versammelt

Ohne die einzelnen Titel zu benennen, spielt Dean das neue Werk also durch. Der versammelte Zoom-Kreis ist ruhig. Es werden einzig im Chat Smileys geteilt oder Kommentare zu Songs abgegeben. Die Gäste dürfen nichts mitschneiden oder aufnehmen, zudem soll sich Dean keinesfalls persönlich zu seinem Weggefährten äußern. Die Vorgaben der Plattenfirma Def Jam, die hierzulande von Universal Music vertreten wird, sind strikt. So viel darf allerdings verraten werden: Die Lieder berühren.

Bono von U2 ist etwa auf „Exodus“, wie die Platte heißt, zu hören. Oder Alicia Keys, die Frau von Dean, und die Rapper Nas, Lil Wayne, Jay-Z, Snoop Dogg. Fast alle Helden des US-Hip-Hop sind versammelt. Und während man ihnen lauscht, hat man das Gefühl, dass neben 90 Zuhörern auch eine große Szene trauert. Abschied digital.

Nach 13 Liedern und ein paar Sätzen über die Produktion ist dann Schluss. Dean, der etwas mitgenommen aussieht, sagt noch in die Kamera: „X for life“. Was so viel bedeutet wie: „DMX für immer“. Auf dem Album lebt er nun weiter. Und mit diesem viele Erinnerungen.

DMX: „Exodus“  (Def Jam/Universal Music) ist ab dem 28. Mai erhältlich.