Ein Beiruter Kirchendach nach der Explosion.
Foto: Anwar AMRO / AFP

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war sicher eine der glücklichsten Zeiten der späteren libanesischen Hauptstadt Beirut. Das zeigen nicht nur die vielen Kirchen und Moscheen aus dieser Zeit, sondern vor allem die prachtvollen Privatbauten. Etwa das 1907 in einer überaus kreativen Mischung aus venezianischen und osmanischen Motiven als Villa errichtete Museum Sursock, das erst vor fünf Jahren nach langer Restaurierung wieder eröffnete: eine der bedeutendsten Kunsteinrichtungen des Landes mit großen Sammlungen und vielen Ausstellungen. Es liegt nun, nach der schrecklichen Explosion eines Düngemittel-Lagers im Hafen vor zwei Wochen, wie so vieles in Trümmern, all die herrlichen Jugendstilfenster des Hauses sind zerstört, ebenso Holzarbeiten, Parkette und Stuckdekorationen, ganz zu schweigen von Glasvitrinen und Möbelstoffen.

In den schrecklichen Nachrichten aus Beirut waren die kulturellen Verluste bisher Nebenthema. Mehr als 200 Menschen wurden nach aktuellem Stand getötet, mehr als 6000 teils schwer durch die umherfliegenden Trümmer, Glassplitter, Auto- und Bauteile verletzt, mindestens 300.000 Menschen sind obdachlos geworden, mindestens 8000 Häuser oft schwer beschädigt. Die Altstadt von Beirut und die quirligen Hafenviertel sind in weiten Teilen ruiniert, kaum 30 Jahre, nachdem die Trümmer des Bürgerkriegs beseitigt worden waren. All dies kommt zu der schweren Wirtschaftskrise, zu den Lasten, die das kleine Land mit fast 900.000 Flüchtlingen aus Syrien tragen muss, kommt auch zur Corona-Krise hinzu. Mehr als 75 Prozent aller Libanesen sind nun hilfsbedürftig – bis zum Beginn des Bürgerkriegs 1975 hatte das Land als die Schweiz des Orients gegolten.

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