In der SPD herrscht im Zuge der Ukraine-Krise große Unsicherheit über den richtigen Umgang mit Russland. Nicht nur die Riege der sozialdemokratischen elder statesmen wie Egon Bahr, Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder kritisiert die deutsch-russische Distanz. Auch der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, fordert mehr Verständnis für die russische Haltung. Es gibt eine Debatte, warum die russische Position trotz der autokratischen Renaissance unter Putin nicht vom Tisch zu wischen ist.

Daher publizierte die Friedrich-Ebert-Stiftung in ihrem Journal „Internationale Politik und Gesellschaft“ (IPG) letzten Herbst einen Aufsatz des US-amerikanischen Politologen John Mearsheimer. Dieser, als „Realist“ in außenpolitischen Fragen bekannt, zählte darin nüchtern die Fehler des Westens in der Ukraine-Politik auf: „Die Hauptschuld an der Krise tragen die USA und ihre europäischen Verbündeten.“ Durch ihr Verhalten sah sich Russland in seinen „strategischen Kerninteressen“ bedroht, Putin reagiere lediglich auf deren Vorgehen. Die fortgesetzte Erweiterung von Nato und Europäischer Union nach Osten sowie die Unterstützung prowestlicher Oppositionsbewegungen hätten Moskau keine andere Wahl gelassen, als die Annexion der Krim zu betreiben.

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