Eine Demonstration in Minsk gegen Präsident Lukaschenko am 18. August 2020.
Foto: AFP/Sergei Gapon

BerlinWer sich aktuell über die Entwicklungen in Belarus informieren will, sollte die Facebook-Seite „Stimmen aus Belarus“ abonnieren. Die Macher sind deutschsprachige Belarus-Sympathisanten, die ein genaues Auge auf die Proteste werfen und sich die Mühe machen, Augenzeugenberichte und Stimmen von Intellektuellen zu übersetzen und der deutschen Öffentlichkeit näher zu bringen. Jeden Tag kann man vom Mut der Demonstranten erfahren, vom Durchhaltewillen der Belarussen – aber auch von der Brutalität des Regimes.

Die Seite hat der in Warschau lebende Historiker Felix Ackermann ins Leben gerufen, der auch Autor der Berliner Zeitung ist. Mit einem Team an freiwilligen Helfern werden die Stimmen aus dem Belarussischen oder Russischen übertragen – etwa ein Interview mit der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch. Sie antwortete am 12. August im Gespräch mit Radio Svaboda auf die Frage, was sie Lukaschenko sagen wolle, mit folgendem Spontangedicht: „Tritt ab, solange es noch geht. Tritt ab, bevor du dein Volk in einen schrecklichen Abgrund stürzt, den Abgrund des Bürgerkrieges. Tritt ab.“

Es kommen aber auch ganz einfache Demonstranten zu Wort, wie etwa die 58-jährige Marina, die sich begeistert zeigt, dass so viele Frauen auf die Straße gehen. Am 16. August sagt sie in einem Interview, am Tag der großen Proteste: „Ich habe heute auf der Straße große Schönheit gesehen. So eine Schönheit, wie es sie wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt gibt. Ich habe viele schöne Frauen gesehen, viele Blumen. Männer verteilen Rosen. Alle lächeln, alle umarmen sich, alle reden miteinander.“

Es gibt auch Hoffnung

Mittlerweile versammelt der Facebook-Blog mehr als zwei Dutzend Texte. Besonders bedrückend sind die Stimmen aus den Gefängnissen von jenen Frauen und Männern, die nach der manipulierten Wahl inhaftiert worden waren. Zum Beispiel der Historiker Ales Paskievic. Er schreibt am 15. August: „Ich habe nachgezählt: Während meines dreitägigen Knastaufenthalts kam ich in eine Zelle, ins sogenannte Affengehege, und verbrachte dort den Arrest mit insgesamt 51 anderen Personen. (...) Die Umstände der Festnahmen waren oft lächerlich. Was mich außerdem überraschte: Die politischen Ansichten meiner Mithäftlinge gingen weit auseinander. Ich saß mit ganz unterschiedlichen Leuten zusammen, jungen und alten. Einer der Inhaftierten war sogar ein überzeugter Unterstützer des Lukaschenko-Regimes. Das zeigt die Willkür, mit dem die Staatssicherheit durchgreift.“

Die Berichte zeigen, dass Präsident Alexander Lukaschenko keine Logik und keine Grenzen kennt, um an der Macht zu bleiben. Aber genauso spürt man auch die Hoffnung, die in den Beiträgen zum Ausdruck kommt. So viel ist gewiss: Die Belarussen sind entschlossen, dieses Regime zu stürzen.